EKIZ-Tagung

v.l.n.r.: Margit Schgör (FAMAK), Christine Wally-Biebl(Theaterpädagogin), Renate Heitz (Land OÖ Qualitätskontrolle), Manuela Wade (Volkshilfe Österreich), Doris Rögner (Frühe Hilfen), Wolfgang Laskowski (OÖGKK), Kristina Strauß-Botka (Leiterin FAMAK), Barbara Haas-Trinkl (FAMAK)

EKIZ-Tagung zum Thema „Kinderarmut und Gesundheit“

Die LeiterInnen der Kinderfreunde-Eltern-Kind-Zentren aus ganz Oberösterreich haben sich vergangenen Dienstag im Rahmen einer Fachtagung zum Thema „Kinderarmut und Gesundheit“ weitergebildet. Einmal im Jahr gibt es diese Veranstaltung, welche von der Familienakademie der OÖ Kinderfreunde organisiert wird.

Simone Diensthuber (Geschäftsführerin im Dienstleistungsbereich der Kinderfreunde OÖ) begrüßt alle TeilnehmerInnen

Nach einem gemütlichen Eintreffen und einer Stärkung bei der „Krafttankstelle“ mit Kaffee, Tee und Obst startete der Vortrag „Auswirkungen von Kinderarmut auf die Gesundheit der Kinder“ von Dr.in Manuela Wade, Armutsexpertin der Volkshilfe Österreich. Die gelieferten Zahlen und Fakten waren erschütternd: So sind derzeit 1,2 Millionen Menschen in Österreich armutsgefährdet. Das entspricht 14 % der Bevölkerung. Die Armutsgefährdungsschwelle liegt in Österreich derzeit bei einer Einzelperson bei 1.185 Euro, bei Alleinerziehenden mit einem Kind bei 1.540 Euro und bei einer Familie (zwei Erwachsene) mit zwei Kindern bei 2.488 Euro.

Armutsgefährdung bei Kindern

Besonders Kinder und Jugendliche sind in Österreich armutsgefährdet.  16,3 % der Menschen unter 19 Jahren können sich viele alltägliche Dinge nicht leisten. So ist es kaum nachvollziehbar, dass es in einem Land wie Österreich 14.000 Kinder gibt, die sich einen dringend notwendigen Arztbesuch nicht leisten können. Sie fallen durch unser Sozialsystem.

Manuela Wade, Armutsexpertin der Volkshilfe Österreich

Manuela Wade berichtet von einem sechsjährigen Buben aus Wien: sein Mittelohr ist vernarbt, er hat Schmerzen und hört schlecht. Ein Besuch beim Kinderarzt ist für ihn nicht möglich. Seine Eltern sind nicht versichert, somit auch er nicht. Die Gründe für eine Nicht-Versicherung sind vielseitig: Etwa fehlende Aufenthaltsgenehmigungen; Minderjährige Mütter, die noch nie beschäftigt waren und daher nicht als arbeitslos gemeldet sind oder Kinder, die nach der Scheidung der Eltern nicht mehr beim Vater mitversichert sind.

 

155.000 Kinder und ihre Familien können es sich nicht leisten einmal im Monat FreundInnen oder Verwandte zum Essen einzuladen, geschweige denn, einen Kindergeburtstag auszurichten. „Es ist häufig so, dass armutsgefährdete Kinder keine Geburtstagsparty haben und folglich auch zu keiner anderen eingeladen werden“, sagt Wade. Soziale Isolation beginnt somit schon im Kindesalter. Nicht einmal im Jahr in Urlaub fahren zu können, davon sind 289.000 Kinder betroffen. Wie wichtig jedoch diese Erholung und kleine Abwechslung ist, wissen wir all. Auch mangelhafte Heizung in der Wohnung ist ein Thema: So sind 49.000 Kinder einer Temperatur von teilweise weniger als 13 Grad in der Wohnung ausgesetzt.

Konsequenzen der Armut

In Armut zu leben bedeutet einen Mangel an Möglichkeiten, in Hinsicht auf Freizeitgestaltung, Bildungschancen, aber auch Gesundheit. Kinder in Armut werden öfters krank. Sie sind betroffen von Kopf- und Bauchschmerzen, chronischen Krankheiten sowie von Entwicklungsverzögerungen. Sie sind öfters in Unfälle involviert und ernähren sich weniger gesund.

 

Was können wir als Gesellschaft nun gegen Kinderarmut tun?

Wir müssen uns einer gesellschaftspolitischen Verantwortung bewusst werden. Eine Reduktion der Sozialleistungen seitens der Politik ist nicht zielführend und erhöht folglich die  Armutsgefährdung. Kinder müssen gefördert und ihre persönlichen Ressourcen gestärkt werden. Ihr gesamtes Umfeld braucht spezielle Unterstützung: Familie, Schule, Freizeit und auch Wohnen. Im außerschulischen Freizeitbereich sind die Eltern-Kind-Zentren der Kinderfreunde Oberösterreich gefragt. Es braucht ein niederschwelliges Angebot und leistungs- sowie konsumfreie Räume. „Es ist teilweise sehr schwierig armutsgefährdete Familien auf unser Angebot aufmerksam zu machen. Es braucht viel Einfühlungsvermögen. Und oft fehlen den betroffenen Familien einfach die Möglichkeiten auch unser kostenloses Angebot zu nutzen, wenn sie mit ihren Alltagssorgen kämpfen“, sagt Elke Salzbacher, Leiterin des Eltern-Kind-Zentrums in Freistadt.

Frühe Hilfen

Im Zuge der Fachtagung gaben Wolfgang Laskowski (OÖGKK) und Doris Rögner (Netzwerkmanagerin Frühe Hilfen) einen Einblick in das Angebot der Frühen Hilfen und wie es in der Praxis umgesetzt wird. FamilienbegleiterInnen aus den unterschiedlichsten Bereichen (Kinderkrankenschwestern, Hebammen, TherapeutInnen, ...) unterstützen Familien mit Kindern bis drei Jahren sowie Schwangere. Sie geben Hilfestellungen, helfen bei Behördengängen oder hören einfach nur zu. Armut ist nicht immer ein Grund, dass Personen dieses Angebot nutzen. Es ist jedoch auffällig, dass es gerade im städtischen Bereich eine Tendenz dazu gibt.

 

Workshops am Nachmittag

Der Nachmittag der Fachtagung stand ganz im Zeichen von frei wählbaren Workshops. Christine Wally-Biebl leitete den Theaterpädagogik-Workshop „In den Schuhen der anderen gehen“ und ließ die TeilnehmerInnen durch eine praktische Übung ins Thema einfühlen. Sie veranschaulichte, wie es sich anfühlt, wenn viele etwas besitzen und manche wenige nichts: Einige TeilnehmerInnen fanden Schokolade unter ihrem Sessel, manche sogar mehrere Stücke. Andere hatten gar nichts. „Man sieht, es würde aber für alle reichen, wenn man nur über den eignen Tellerrand blickt“, so Wally-Biebl.

Werner Zechmeister, Elternbildner, gab einen Einblick, wie man im besten Fall schwierige Elterngespräche gut führt und betonte die Wichtigkeit der ICH-Botschaften. Doris Rögner, Netzwerkmanagerin der Frühen Hilfe, erläuterte mit weiteren Fallbeispielen die Arbeit der Frühen Hilfen.

Elternbildner Werner Zechmeister erklärt, wie man schwierige Elterngespräche führt

Fazit und Ausblick

Zusammenfassend lässt sich sagen, dass „Kinderarmut“ ein wichtiges Thema ist und auch ein Land wie Österreich davon betroffen ist. Es ist ein Thema, das auch die LeiterInnen der Eltern-Kind-Zentren täglich betrifft. Sie arbeiten mit und für Menschen und leisten mit ihrem Angebot einen wesentlichen Beitrag für unsere Gesellschaft. „Die heutige Fachtagung zu diesem Thema ist enorm wichtig für meine tägliche Arbeit. Ich treffe regelmäßig Familien mit Problemen und das beschäftigt mich dann auch zuhause. Es ist gut zu wissen, dass es Hilfestellungen seitens der Frühen Hilfen gibt, auf die weitergewiesen werden kann“, resümiert Verena Schmidleithner aus dem EKIZ Andorf.

Barbara Haas-Trinkl, Margit Schgör, Kristina Strauß-Botka und Marco Schmidthaler (Zivildiener)

Das Team der Familienakademie freut sich über die engagierte Teilnahme der MitarbeiterInnen. Die nächste Fachtagung wird bereits im Frühsommer 2018 stattfinden.

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