Zwei Kinder sitzen mit dem Rücken zum Betrachter auf einem Stein (c)Gehren_pixelio.de

Wiener Kinderfreunde: ÖVP-FPÖ Pläne für den Kindergarten nicht zielführend

Warum die ÖVP-FPÖ Pläne für den Kindergarten nicht zielführend sind

-          Keine Sprachprüfungen für Dreieinhalbjährige - sondern 2. Kindergartenjahr für alle

-          Ausschließlich fortschrittsbeschreibende Leistungsdokumentation

Der Plan von ÖVP und FPÖ, den Kindergarten aufzuwerten, entspricht einer langjährigen Forderung der Kinderfreunde. „Vielen Dank dafür! Allerdings sind die präsentierten Maßnahmen entweder ungeeignet oder nicht zielführend,“ erklärt Christian Morawek, Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde.

Vor allem zwei der von ÖVP und FPÖ präsentierten Maßnahmen entsprechen in mehrerlei Hinsicht nicht modernen pädagogischen Standards, die seit langem wissenschaftliche Grundlagen haben: Etwa das 2.verpflichtende Kindergartenjahr mit der Einschränkung nur für die, die es brauchen.

Keine Prüfungssituation für Dreieinhalbjährige

„Wir Kinderfreunde fordern  schon seit langem ein verpflichtendes zweites Kindergartenjahr für alle Kinder“, erklärt Morawek und begründet die Sinnlosigkeit der Einschränkung „für die, die es brauchen“ auch: „Wir wissen heute, dass sich jedes Kindergartenjahr in einem Qualitäts-Kindergarten positiv auf die sozialen, kognitiven, emotionalen, sprachlichen, kreativen und motorischen Fähigkeiten eines Kindes auswirkt. Gleichzeitig besuchen mehr als 93 % der vierjährigen Kinder in Österreich einen Kindergarten. Warum soll also ein hoher Aufwand betrieben werden, um aus dieser vergleichsweise kleinen Gruppe Kinder mit möglichen Sprachdefiziten herauszufiltern, statt gleich alle Kinder zu fördern.“  Und er weist darauf hin, dass das Sprachpotential eines dreieinhalbjährigen Kindes nicht mit einer Prüfungssituation in fremder Umgebung mit fremden Menschen feststellbar ist.

Leistungsdokumentation ab dem Kindergarten

Der Rückschritt zur jahrhundertealten und mangels Aussagekraft hoch ineffizienten fünfteiligen Ziffernnotenbeurteilung lässt für den Plan einer Leistungsdokumentation vom Kindergarten bis zum Schulabschluss Schlimmes befürchten. Morawek: „Wir haben nicht von ungefähr in den letzten zehn Jahren ausschließlich fortschrittsbeschreibende Portfolios für alle Kinder eingeführt. Bei den Kinderfreunden beginnt das für jedes Kind am ersten Kindergartentag.“ Denn man weiß mittlerweile, dass die Lernfähigkeit von der Begeisterung und Motivation des Kindes abhängig ist und der Fehler- und Defizit-Fokus des aktuellen Beurteilungssystems dem zuwider läuft.

„Daher darf eine Leistungsdokumentation im Kindergarten ausschließlich eine Entwicklungsdokumentation „Ich kann…“ sein.“ Die Kinderfreunde-PädagogInnen erleben das täglich, wenn ihre Kinder stolz auf ihre in der Portfoliomappe erfassten Lernschritte zurück schauen: „Schau, wie ich mit zwei Jahren noch gekrixelt hab, jetzt kann ich schon meinen Namen schreiben. Und ich habe gelernt, warum manche Sachen im Wasser schwimmen und andere untergehen!“

Morawek: „Die Erkenntnis, aus eigener Kraft und eigenem Interesse, begleitet von Menschen, denen ich vertraue und die mich fördern, gelernt zu haben, beeinflusst den ganzen Bildungsweg positiv.“

 

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Michaela Müller-Wenzel, Mediensprecherin Wiener Kinderfreunde

Tel. 01/40125-55,

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