Portrait Yesim Karakas

Die Bildungsgeschichte des Kinderfreunde-Lehrlings Yesim

"Mit  6 Jahren bin ich in den Kindergarten gekommen. Ich war ca. 6 Monate im Kindergarten. Ich habe ein bisschen früher aufhören müssen da ich nicht gerecht behandelt wurde ..."

„Mein Bildungsweg vom Kindergarten bis zur Lehrstelle bei den Kinderfreunden“

Yesim Karakas

 

In welchem Alter bist du in den Kindergarten gekommen? Wie hast du den Kindergarten erlebt?

Mit  6 Jahren bin ich in den Kindergarten gekommen. Ich war ca. 6 Monate im Kindergarten. Ich habe bisschen früher aufhören müssen da ich nicht gerecht behandelt wurde. Wie jedes kleines Kind habe ich anfangs auch nicht in den Kindergarten gehen wollen, doch mit der Zeit hat es mir auch Spaß gemacht dort zu sein, bis die Kindergartenbetreuerin mir nur, weil ich wegen einem anderen Kind nicht ordentlich in der Zweierreihe stehen könnte, eine runter gehaut hat.

 Welche Sprache hast du jeweils zu Hause, im Kindergarten und mit Freunden und so gesprochen?

Meine Deutschkenntnisse habe ich mit Hilfe meines Vaters und meines älteren Bruders verbessern bzw. erweitern können. Sie haben mit mir so oft wie möglich nur auf Deutsch kommuniziert. Da meine Mutter, meine Oma und meine zwei jüngeren Brüder damals fast gar nicht Deutsch konnten war die Sprache zwischen uns Türkisch. Im Kindergarten und mit den Freunden war es ganz gemischt, wenn ich mich auf Deutsch ausdrücken konnte habe ich auf Deutsch geredet, aber wenn nicht dann war natürlich Türkisch im Einsatz. J Doch teilweise musste ich mich auf Deutsch ausdrücken können, weil Türkisch für manche nicht zu verstehen war.

Welche Schulen hast du bisher besucht, abgeschlossen oder abgebrochen und warum?

Wie hast du deine Schulen erlebt?

Mit 7 Jahren habe ich eine Volksschule im 17.Bezirk besucht, danach die kooperative Mittelschule mit dem Schwerpunkt Informatik und nach der KMSI habe ich die AHS in der 7.Klasse abgebrochen. In die Volksschule und Mittelschule bin ich sehr gern gegangen. Ich hatte sehr großen Spaß an lernen. Die Schule war das einzige Thema in meinem Leben. Bis auf das AHS war alles in Ordnung. Dort wurde ich teilweise von den ProfessorInnen als Ausländerin gesehen und somit kam es auch zu Konflikten. Aus diesem Grund war dann mit der Zeit die Schule ein psychisches Qual für mich. Ende Juli/2010 habe ich mich entschieden eine Lehre zu beginnen. Ab September/2010 habe ich wöchentlich ca. 3-4 Bewerbungen abgeschickt. Von einigen habe ich eine Ablehnung bekommen von manchen auch gar keine Antwort bis auf den österreichischen Kinderfreunden. J Ich wurde 2-mal zu verschiedenen Gesprächen und Test vorgeladen und zuletzt habe ich einen Schnuppertermin bekommen und dann ging es los. Am 1.Februar habe ich als Lehrling bei den österreichischen Kinderfreunden begonnen.

 Welche Bedeutung hat „Bildung“ für deine Eltern

Konnten deine Eltern ihre eigenen Bildungswünsche realisieren, wenn ja, wie, wenn nein, warum nicht?

Bildung war schon immer das wichtigste Thema für meine Familie. Wie ich meinen Eltern mitgeteilt habe, dass ich mich von der Schule abgemeldet habe, haben sie nicht besonders gut darauf reagiert. Sie haben versucht mir klar zu machen, dass man zu dieser Zeit ohne einen Schulabschluss schwer einen guten Beruf bekommt. Während dieser Gespräche habe ich Ihnen immer befürchtend versprochen, da es wirklich schwer ist überhaupt irgendeine Lehrstelle zu bekommen, dass ich in kürzester Zeit einen sehr guten Beruf ohne einen Schulabschluss finden werde und habe mein Versprechen auch gehalten. Aber ihr Aufregungsgrund war nicht, dass ich eine Lehre machen will sondern, dass ich die Schule wegen den Lehrerinnen abgebrochen habe. Sie haben mir immer vertraut und mich auch immer unterstützt. So wie ich, wollte mein Vater auch, dass ich Medizin studiere und Chirurgin werde, denn er wollte das auch doch zu seiner Zeit hatte er leider die Möglichkeit dazu nicht. In seiner Jugend hat er arbeiten müssen und derselbe Fall war auch bei meiner Mutter. Bei ihr war Bildung gar nicht ein Thema. Vielleicht auch deswegen haben sie uns nie verhindert in die Schule zu gehen. Doch sobald er die Gelegenheit hatte, hat er die Ausbildung zum Buslenker ausgelernt und bildet sich durch Bücher, Internet und Zeitung nach seiner Interesse immer weiter.

Bei meinem Vater heißt es „ Lernen hat keinen Alter. Man kann mit 7 lernen aber auch mit 70. Gibt’s nie auf zu lernen. Je mehr man weis desto mehr bedeutet man.“

War und ist „Bildung“ bei euch zu Hause ein Thema? Wurdest du angeregt zu lesen, geht ihr auch mal ins Museum, ins Theater, wird in deiner Familie viel gelesen ?

Ich bin der Meinung, dass man sich auch durch reisen bilden kann und nicht nur durch lesen bzw. Schulunterrichten und der Mann mit dem großen Herzen liebt es zu Reisen und uns immer wieder etwas Neues bei zu bringen. Bei uns zu Hause war es und ist es noch immer so, dass meine Mutter dauernd für die Hausaufgaben bzw. Leseübungen und sonstiges zuständig ist und mein Vater eher für Ausflüge so wie Museen, Sehenswürdigkeiten oder auch für Reisen.

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