Ergebnis der TIES-Studie:

Österreich bietet türkischen Eltern und Kindern 2. Generation schlechtere Bildungsbedingungen als andere Länder ... 

Diese Erkenntnis gewann Dr. Barbara Herzog-Punzenberger, vom BIFIE (Bundesinstitut für Bildungsforschung Entwicklung und Innovation) aus der TIES-Studie (Vergleich von 8 Ländern: Ö, D, S, B, Est, CH, SF, N. Diese Studie verglich die Lage von 3300 Jugendlichen 2. Generation im Alter zwischen 18 und 24 im Bereich Bildungserfolge und deren Entstehungsbedingungen.

Die ersten Ergebnisse der Studie wurden nun am 31.5.2011 bei den  "Wr. Bildungsgesprächen am Stadtschulrat präsentiert ...

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Gastarbeiter kamen mit höherer Bildung nach Österreich als in anderen Ländern!

Obwohl die türkischen Zuwanderer mit vergleichsweise höherer Bildung in Österreich ankamen als in anderen Ländern – eine überraschende Erkenntnis, herrscht doch auch unter ExpertInnen oft die gegenteilige Ansicht – konnten die nach Österreich zugewanderten TürkInnen weniger Schulerfolge, Bildungsaufstiege und Wohlstandgewinn realisieren als in anderen Ländern z. B. in Schweden. Während in Österreich 30 % nur die Hauptschule oder weniger absolvierten (Schweden 0 %), gelangten in Schweden 33 % in die tertiäre Stufe (Universität oder ähnl. Form), in Österreich nur 14% der befragten türkischen Jugendlichen.

Die türkischen GastarbeiterInnen der ersten Generation wurden zumeist weit unter ihrer Qualifikation eingesetzt, kaum gefördert und weitergebildet. Ein WKÖ-Protokoll aus der Zeit verdeutlicht das in „die Angeworbenen bräuchten gar nicht lesen uns schreiben können“, um z. B. als Landarbeiter eingesetzt zu werden. Kurzfristige konjunkturabhängige Verschubmasse von Arbeitskräfte sollten die Zuwanderer sein und bald wieder zurückgehen.

Schweden erkannte z. B. wesentlich eher, dass die Gastarbeiter bleiben würden und entwickelte viel früher entsprechende Maßnahmen. Die sozioökonomische Abhängig für den Bildungserfolg der Kinder ist in Schweden deshalb wesentlich geringer. So absolvierten in Schweden 54% der türkischen  Jugendlichen eine studienvorbereitende Schulform, in Österreich sind es nur 34%, also signifikant weniger.

Die Unterschiede im Bildungserfolg zwischen türkischen Kindern und Jugendlichen und einheimischen sind in Schweden gering,  in Österreich aber eklatant: 23 % der Kinder in Österreich wiederholen schon eine Klasse in der Grundschule in Schweden sind es 8%.

Folgenden Bedingungen, die in Österreich vielfach erst entwickelt werden, würden der Schlechterstellung Abhilfe schaffen:

-  Früher Eintritt ins Bildungssystem: Der Anteil unter 3jähriger im Kinderbetreuung ist z. B. in Frankreich wesentlich höher

-  Lange gemeinsame Schulzeit bis zur Trennung in verschiedene Schulstufen

  (Schweden 12 Jahre, Österreich durchschn. 6 Jahre inkl. Kindergarten)

-  Individualisierte Fördermaßnahmen

-  Ganztagsschulen zur Unterstützung der Kinder, deren Eltern ihnen kaum helfen können.

-  rechtliche Gleichstellung der Zuwanderer: hier erzielt Österreich regelmäßig sehr schlechte Werte im Europa – Vergleich.

Quelle: Eine Zusammenfassung des Präsentationsvortrages von Günther Leeb

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