Gruppenbild Queer Easter 15

Queer Easter 2015

30.März-06.April 2015 - in Werftpfuhl bei Berlin (Deutschland)

Es war wieder einmal soweit. Queer Easter. Soll heißen, es war nicht das erste Mal, dass dieses Seminar stattfand und nicht das erste Mal, dass ich dort war.

Was es genau ist: Ein Treffpunkt einmal jährlich für Menschen, die sich viel mit Regenbogen-Themen beschäftigen und eine bessere Welt jenseits des Kapitalismus wissen!

Zu Regenbogen-Themen gehört viel, z.B. Trans* (es gibt nicht nur Männer und Frauen, sondern auch viel dazwischen und rundherum und darüber hinaus), Lesbisch, Schwul, Bi, Asexuell, alle möglichen Beziehungen die Menschen führen, darüber nachdenken was eigentlich "normal" sein soll?!, was ist ein Körper und was tut das mit mir und vor allem im Kapitalismus?

Solche Sachen. Also ein bunter Haufen Menschen, mit denen diskutieren sehr interessant ist, weil ihre Lebenswelten so vielfältig sind. Sowohl von Selbstverständnis als auch von der Vielzahl an Orten, von denen sie zu diesem Seminar angereist sind.

Damit alle gut miteinander diskutieren können, ist aber viel nötig. Vor allem, wenn die Zeit auf eine Woche beschränkt ist und sich so viele Menschen kennen lernen und miteinander wohl fühlen sollen.

Dazu gibt es im KLH (Kurt-Löwenstein-Haus in der Nähe von Berlin), wo das Seminar jedes Jahr stattfindet, ein volles Programm und ein großes Team an Leuten, die dankenswerter Weise Organisation und Begleitung übernehmen.

Zum Programm zählen Aktivitäten wie das Haus kennen lernen, die Präsentation der Organisationen in denen die Leute aktiv sind, gemeinsames Schnabulieren von Leckereien die alle mitgebracht haben, nettes Zusammensitzen und Singen, Party mit Tanzen und Trinken oder ein paar Räume weiter eine Auszeit von der Feier nehmen und mit netten Personen in langen Gesprächen versinken.

Ganz wichtig für die Atmosphäre sind auch die Anfangs-Gruppen, für die ist ein ganzer Tag Zeit, und hier reden alle nochmal gemeinsam über einen respektvollen Umgang auf dem Seminar, wie das aussehen kann, dass "nein heißt nein" gilt und welche Formen das so alles annehmen kann. Auch, wie denn achtsame Gespräche stattfinden können, wenn Menschen gerade keine Lust haben über die Kultur oder Gesellschaft zu reden, aus der sie kommen, und dass Vorurteile vor allem hier eine wichtige Rolle spielen, die wir nicht vergessen sollen. Das alles, um klar zu machen, dass Rassismus, Sexismus, Trans*-feindlichkeit, Homofeindlichkeit und alle Diskriminierungen keinen Platz haben auf Queer Easter.

(Gespräche können ja auch mit "wenn du ein Drache wärst, wie würdest du aussehen?" anfangen ;) )

Dann gibt's noch eine Einheit über das generelle Seminarthema. Diesmal war das "Sexpositivität und Körper und Sozialismus" - also wie wir über Sex und Körper reden können, ohne voller Scham zu sein oder Sex als schmutziges Geheimnis gilt.

Herzstück des Seminars sind dann die Gruppen, in denen den Rest der Woche an einem speziellen Aspekt dieses Themas gearbeitet wird. Bei mir war das, wie sich Normalität und Moral auf Körper auswirken.

Weil QE auf vielen Ebenen ganz schön unter die Haut gehen kann, ist es wichtig vorher so viel Zeit darauf aufzuwenden, dass sich alle möglichst wohl fühlen.

(es wird auf wahnsinnig viel Rücksicht genommen, von Essen bis hin zu Zugänglichkeit) Aber sowohl die Diskussionen, die in den Kerngruppen aufkommen, als auch die abendlichen Gespräche, die vielen neuen Eindrücke und die ständige Selbstreflektion, sind sehr intensiv. Aber das ist eben das schöne an Queer Easter - es löst enorm viel aus und ist gleichzeitig ein so sicherer Rahmen, indem es möglich ist sich auf diese tiefen Sachen einzulassen. Dabei trotzdem Spaß haben! Liegt zeitlich sehr nah beisammen.

Ich habe noch jedes Jahr geweint (aus Wut oder Freude) aber kurz danach so ausgelassen getanzt wie nirgends sonst.

Dieses Jahr ging es außerdem ins Schwuz (Schwules Zentrum) einen großen Club in Berlin. Das war als Abschluss des dritten Tags geplant, den alle in Berlin verbrachten, wozu sie sich in selbst organisierte Gruppen aufteilen konnten. Ich ging mit in ein Café im "Tuntenhaus", ein Haus, das zu den ersten besetzten Häusern in Berlin zählt, die Raum für Homo-Bi-Trans* Personen erkämpfen wollen. Danach gingen wir noch zu einer Veranstaltung von Refugees, die gegen die Lagerunterkünfte in Deutschland sind und erzählten, wie viel schwieriger es noch dazu ist, als Frau dort leben zu müssen.

Einige fuhren auch gar nicht mit nach Berlin, es war aber zuerst schwer ein Alternativ-Programm aufzustellen. Sonst fanden sich die, die nach Berlin gefahren waren, abends im Schwuz zusammen. Hier wurde getanzt, geredet und die riesige Fläche des Clubs erkundet.

Gegen Ende des Seminars, sieht das Haus schon ganz anders aus als zu Beginn. So dekoriert, immer mehr Zettel werden aufgehängt, und dabei hingen schon zu Beginn sehr viele Regenbögen überall.

Die Zettel zeigen Scherze, Einladungen zu selbst organisierten Workshops, wo die Teilnehmenden die Inhalte selbst einbringen um noch mehr voneinander zu lernen und sich auszutauschen, oder Treffpunkte für gemeinsames Spielen.

Ich habe zum Beispiel einen Workshop zu Drogen in queeren Räumen mitgemacht. Und es war sehr spannend, weil für so spezielle Diskussionen sonst ja nicht so viel Raum ist.

Ein weiterer Fixpunkt und diesmal Highlight (weil gegen Ende der Woche) war der Frauen* und Trans* Abend. Hierfür wird ein ganzer Bereich des Hauses den Frauen* und Trans*- Personen überlassen, die sich die Tage davor absprechen und dann gemeinsam die Räume und den Inhalt gestalten um sich zu vernetzen und gemeinsam zu feiern, in einem nochmal sexismusfreierem Rahmen, weil der Raum nur für sie ist.

Ohne cis-Männer (Männer, die bei der Geburt als Männer eingeordnet wurden uns sich in diesem Geschlecht ausreichend beschrieben fühlen) ist die Atmosphäre eben eine andere, und sehr angenehm. Trotzdem bin ich dann gerne auch im gemischten Raum, diesmal z.B. um cis-Männern zuzusehen, wie sie sich die Nägel lackieren :)

Weil es so schön war, war der Abschied bitter. Aber dafür kommen alle nochmal zusammen, zeigen, was sie die Woche über in ihren Kerngruppen gemacht und besprochen haben. Außerdem gibt es dann noch eine besondere Art Abschied zu sagen, in Form einer sehr sehr netten Notiz, die sich alle mit nach Hause nehmen können und sich darüber freuen, dass sie da waren.

Und im Jahr darauf ist Queer Easter ja zum Glück wieder!

- möbe

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