Bundesvorsitzender Christian Oxonitsch spricht zu den TagungsteilnehmerInnen

"Gemeinsam" - Fachtagung 2012

„Es genügt nicht, `für alle offen´ zu sein, Integration von Zuwandererfamilien braucht spezielle Konzepte“

Tagung der Kinderfreunde fordert Solidarität mit den Benachteiligten durch Migration.

Die Kinderfreunde wollen sich als Organisation öffnen, um vielfältiger und interkultureller zu werden. Dazu kamen vergangenes Wochenende knapp 100 MitarbeiterInnen und ExpertInnen im Jugend- und Familiengästehaus Salzburg zusammen, um in Fachvorträgen und Workshops gemeinsam zu überlegen, wie dieser Prozess in Gang gebracht und verstärkt werden kann.

In Zukunft sollen mehr Familien mit Migrationshintergrund angesprochen werden, an den Aktivitäten der Kinderfreunde teilzunehmen. Dazu wurde vor einem Jahr die „Initiative Interkulturelle Arbeit –gemeinsam“ gegründet, die bereits verschiedene Pilotprojekte initiiert hat. Von diesen Projekten wurde nun berichtet, um Mut zur Nachahmung zu machen und Lust zu wecken, Ähnliches zu versuchen.

Der Integrationsforscher Bernhard Perchinig verdeutlichte die Situation in Österreich und konnte nachweisen, dass Migration bei der Erhaltung der sozialen Sicherungssysteme eine Schlüsselrolle zukommt, weil Österreich sonst in der Bevölkerung schrumpft. Die meisten ZuwanderInnen kommen zudem aus EU-Länder, wo die Freizügigkeit der Personen eine  der vier wesentlicher Grundfreiheiten darstellt. Bezüglich der Anerkennung von Qualifikationen von ZuwanderInnen und der Akzeptanz von Mehrsprachigkeit hat Österreich noch einiges aufzuholen, betonte Perchinig.

Die Leiterin des Interkulturellen Zentrums Wien, Mari Steindl, verdeutlichte in ihrem Referat, wie wichtig es ist, dass die Vereinsführung bzw. die obersten Gremien der Kinderfreunde hinter einer kulturellen Öffnung stehen und entsprechende Veränderungsstrategien befürworten, sonst führen noch so ausgeklügelte Maßnahmen kaum zum Erfolg.  Hier wurden im abendlichen Kamingespräch im Beisein von Bundesvorsitzenden Christian Oxonitsch von MitarbeiterInnen an der Basis Zweifel geäußert und mehr Wertschätzung für den hohen ehrenamtlichen Einsatz gefordert. Es genüge nicht, einfach für alle offen zu sein, denn es brauche spezielle Aufmerksamkeit und Programme für diejenigen, die nicht so einfach den Weg zu uns finden.

Die Menschenrechtsexpertin Ursula Liebing von der Salzburger Plattform Menschenrechte verwies einmal mehr auf die wichtige Rolle der Kinderfreunde in der Debatte um Verstöße gegen die Menschenrechte in Asyl- und Aufenthaltsfragen, die immer wieder ganze Familien zu zerreißen drohen. Hier kann die Stimme der Kinderfreunde nicht laut genug sein, zumal sich die Kinderfreunde auf die Kinderrechtskonvention berufen und sich als Lobby der Familien verstehen, egal woher sie kommen. Liebing rät, hier auch ganz intensiv den Einfluss auf die SPÖ zu neutzen. Am dringendsten sei hier eine Reparatur des Fremdenrechts.

In sechs verschiedenen Praxis-Stationen wurden Projekte vorgestellt, sowie Initiativen und Vorgehensweisen diskutiert. Hier wurden intensiv Erfahrungen zur interkulturellen Arbeit vor Ort in den Gemeinden und Städten ausgetauscht. Unter anderem stellten zwei Ortsgruppen ihre „gemeinsam-Pilotprojekte“ vor, verschiedene Konzepte von interkulturellen Elterncafes in Wien, Salzburg und Niederösterreichwurden vorgestellt, in weiteren Workshops konnte man Strategien gegen Rassismus kennenlernen oder erfahren, wie man Zuwanderfamilien am besten anspricht.

Die fast 100 anwesenden MitarbeiterInnen der Kinderfreunde arbeiten mit hoher Konzentration und Ausdauer bis am späten Samstag Nachmittag. Schon bald sollen erste Veränderungen und Verbesserungen erzielt werden.

Hier findet ihr sofort nach Einlangen die Unterlagen aus Workshops und Vorträgen:

Kontakt, Rückfragen:

Österreichische Kinderfreunde, Günther Leeb;
01 5121298-51 oder 0699 1706383

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