Zwei Kinder halten eine Zeichnung eines "Vielfaltbaumes" in die Höhe, © IKEB

Alle Kinder sind verschieden! Kinderstimmen zum Thema Vielfalt

Sind alle Kinder gleich? Oder sind alle Kinder verschieden? Das war eine der Fragen, die wir gemeinsammit sechs- bis elfjährigen Kindern des Kinderfreunde-Hortes Leipzigerstraße (Wien 20) zum ThemaVielfalt diskutiert haben. Auch wenn den Kindern viele Gemeinsamkeiten eingefallen sind, sie fandentrotzdem, dass die Aussage „Alle Kinder sind verschieden” zutreffender ist.


„Ich finde das auch gut, weil ich will nicht, dass jeder wie ich ausschaut.“

VIELFALT - WAS IST DAS?

Als Einstieg ins Thema haben wir uns gemeinsam dem doch etwas sperrigen Begriff ‚Vielfalt‘ genähert. Wir haben entdeckt, dass im Wort Vielfalt nicht nur die Themen Unterschiede und Verschiedenartigkeit mitschwingen, sondern auch der Aspekt der Gemeinsamkeiten. Als Beispiel dafür wurde von den Kindern etwa ‚eine Vielfalt an Büchern‘ genannt. Man stelle sich vor, es gäbe nur ein einziges, immer gleiches Buch auf der Welt! 

In Bezug auf Menschen sind den Kindern viele Unterschiede eingefallen, die zur menschlichenVielfalt beitragen. Einen großen Stellenwert haben äußerlich wahrnehmbare Unterschiede, wie „groß, klein, dünn, dick“, „lange Haare, kurze Haare“ oder „dünne Nase, fette Nase, spitze Nase“ gespielt. Aber auch Charaktereigenschaften wurden als Teil von menschlicher Vielfalt genannt, z.B. „bei den Gefühlen“ oder „das, was sie gerne tun“. Vereinzelt wurde das Thema soziale Vielfalt, wie etwa verschiedene Familienformen, insbesondere Vorhandensein und Anzahl von Geschwistern, thematisiert, sowie unterschiedliche Berufe. Die Aspekte Sprachen- und Religionenvielfalt – an die viele Erwachsene beim Stichwort Vielfalt zuerst denken – finden erst nach Nachfragen der Moderatorin Eingang ins Gespräch.

VIELFALT IM ALLTAG

Ob jemand anders ist oder nicht, ist den befragten Kindern nicht wichtig. Äußerlichkeiten, wie Haarfarben, Haarlängen, Größe und Alter, werden unter den befragten Kindern zwar oft verglichen – häufiger als Sprachen, Religionen oder Herkunft – aber Gemeinsamkeiten mit FreundInnen, die den Kindern im Alltag besonders wichtig sind, liegen vor allem auf der psycho-sozialen Ebene. 

„Hauptsache, naja, sie sind nett zu mir.“ „Sie (Anm. die besten Freundinnnen) verstehen mich.“„Ja, ich kenne zwei Kinder, die sind fast wie ich, mit Gefühlen.“

Als große Gemeinsamkeit benennen die Kinder die so einfach klingende Tatsache, dass wir alle Menschen mit Gefühlen sind. Daraus leiten sie jedoch weitreichende Konsequenzen ab, und zwar die Feststellung: „Jeder hat Rechte“. In diesem Kontext besonders interessant, ist die Thematisierung von Sprachenrechten im Zuge des Gesprächs. 

„Jeder hat das Recht eine Sprache zu sprechen, es muss nicht unbedingt deutsch sein, wenn man nicht will.“ 

In diesem Punkt sind die teilnehmenden Kinder der rechtlichen Situation in Österreich einen Schritt voraus. Ein Grundrecht auf Schutz und Förderung der sprachlichen Identität auch für Angehörige sprachlicher Minderheiten (z.B. Volksgruppen, Gehörlose, MigrantInnen, Flüchtlinge) existiert in Österreich derzeit nicht.

Marion Hackl, März 2014

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