Herz mit der Aufschrift "wenn man spielen darft." © IKEB

KINDERstimmen zum Thema GeRECHTigkeit

Woran denkt ihr eigentlich, wenn ihr das Wort Gerechtigkeit hört? Diese Frage haben wir Sechs- bis Zehnjährigen, die den Kinderfreunde-Hort Ziegelhofstraße besuchen, im Rahmen einer Fokusgruppendiskussion gestellt.


UNGERECHT IST, WENN...

Vieles auf dieser Welt empfinden die befragten Kinder als ungerecht – und zwar auf vielen verschiedenen Ebenen. Im Kontext ihrer eigenen Lebenswelt sind es v.a. Verletzungen der persönlichen Integrität, die gegen ihren Gerechtigkeitssinn verstoßen. Damit gemeint sind zum Beispiel Erwachsene, die Kinder schlagen, anschreien oder schimpfen, aber auch anfassen ohne vorher um Erlaubnis zu fragen. Darüber hinaus sind die jungen Befragten der Ansicht, dass es ungerecht ist, wenn Kinder Angst haben müssen – zum Beispiel vor „Kinderverzahrern“ oder im Straßenverkehr. 

Als weiterer Aspekt in Bezug auf Ungerechtigkeiten in kindlichen Lebenszusammenhängen wurde von den sechs- bis siebenjährigen Fokusgruppen-TeilnehmerInnen der herrschende Leistungsdruck in der Schule angesprochen.

„Es ist ungerecht, wenn ich eine Woche, die ganze Woche lernen muss und gar nicht spielen darf, gar kein einziges Spiel.“ 

„Ich will, dass die Welt ohne Schule ist oder ohne schlechte Noten, alles nur 1er.“ 

Aber auch in ihrem Sein unter und mit anderen Kindern fallen den befragten Kindern ungerechte Verhaltensweisen auf. Zum Beispiel, wenn man gemein zu anderen ist, etwas absichtlich kaputt gemacht, Dinge tut, um andere zu stören bzw. zu ärgern, oder auch wenn jemand ausgeschlossen wird. 

„Ungerecht ist es, wenn man ausgeschlossen wird.“ 

Wenn Kinder ihren Blick in die Breite richten und gemeinsam überlegen, welche Ungerechtigkeiten es gibt, die vielleicht nicht sie selbst betreffen, aber andere Menschen auf der Welt, dann stört sie insbesondere die wirtschaftliche Not und die Tatsache, dass manche Menschen nicht genug zu essen oder kein zu Hause haben. 

„Zum Beispiel in Deutschland, ich habe einmal eine Werbung von deutschen Länder gesehen, da ist ein Deutschländer, das ist arm, weil er kein Geld hat, auf der Straße gesessen und musste sterben, weil es kein zu Hause hatte.“ 

Dazu wird im Rahmen der Gruppendiskussion auch eine mögliche Ursache besprochen – die Ungleichverteilung des Einkommens. 

„Es ist nicht gerecht, wenn die reichen Leute den armen Leuten kein Geld geben. Damit sie beide gleich viel Geld haben.“ 

UND WIE WÜRDE AUS KINDERPERSPEKTIVE NUN EINE GERECHTE WELT AUSSEHEN?

Die erste Reaktion der Kinder auf diese Frage war: „Kinderrechte!“. Wobei den Kindern ihr Recht auf Freiraum und die damit verbundene Gelegenheit sich zu bewegen, zu spielen, zu laufen, zu tanzen besonders wichtig ist. Aber auch die Möglichkeit, ihre eigene Meinung zu sagen und Mitentscheidungsrechte im Alltag zu haben, wurden thematisiert. Weitere wichtige Aspekte einer gerechten Welt aus Kinderperspektive waren Solidarität, Verteilungsgerechtigkeit, Schutz vor Gefahren, gegenseitige Rücksichtnahme und: 

„Es ist gerecht, wenn man Freude hat, alle miteinander“ 

Marion Hackl, Juli 2014

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