Jugendliche und Kinder neben einer Rutsche

Merhaba! Dobro došli! Welcome!

Das Zusammenleben von Menschen unterschiedlicher Herkunft ist in vielen Ortsgruppen der Kinderfreunde ein wichtiges Thema. Interkulturalität in der Ortsgruppe – wie geht das? Wir haben in der Ortsgruppe Penzing nachgefragt.

„Wir sind ein kunterbunter Haufen“, sagt Michaela Schüchner über die rund 30 Mädchen und Buben, die sich jeden Freitag im Baumgartner Casino treffen. Seit rund zweieinhalb Jahren leitet die Vorsitzende der OG Penzing ihre Falkengruppe. Die Familien von fünf bis sechs Kindern der Gruppe kommen aus zugewanderten Familien aus den klassischen Einwanderungsländern des ehemaligen Jugoslawiens und

der Türkei. Dazu kommen noch ein paar Kids mit Elternteilen, die aus anderen EU-Ländern nach Österreich gezogen sind.Freilich, als Schmelztiegel für unterschiedliche kulturelle, religiöse und ethnische Communities sind die Voraussetzungen in Wien natürlich andere, als in einer kleinen Gemeinde am Land. Dennoch war es auch in Penzing wichtig, sich aktiv zu öffnen und positive Signale auszusenden.

Kann ich mitspielen?

„Wir sind von Anfang an ganz oft in den Park gegangen, wo viele Leute mit Migrationshintergrund sind“, erzählt Michaela über ihre Arbeit. „Wir haben offensiv Dinge gemacht, die auffällig sind, zum Beispiel mit einem Schwungtuch oder Kreisspiele“. Die erhoffte Resonanz folgte prompt: „Da hat es immer Kinder gegeben, die gefragt haben 'Kann ich mitspielen?'“. Auch im Winter, wenn die Falken mit ihren Rodeln in den Park gingen, fanden sich immer andere Kinder, die mitmachen wollten. Ob zugewandert oder nicht, Spaß hatten sie alle und nasse Füße sowieso.

Mehrsprachige „Ortsgruppen-Tafeln“

Die Parks in Wien sind beliebte Treffpunkte für Familien aus migrantischen Communities. Dem tragen auch die Kinderfreunde in Penzing Rechnung. Bei ihren Aktivitäten im Park sind sie dazu übergegangen, die anwesenden Kinder und deren Eltern mehrsprachig zum Mitmachen einzuladen: „Beim ‚Tag des Kindes‘ haben wir Schilder mit ‚Herzlich Willkommen‘ auf Englisch, Türkisch, Kroatisch, Italienisch und was uns sonst noch so eingefallen ist, aufgestellt“, berichtet Michaela. Seither kommen jedes Jahr gut 400 Teilnehmerinnen und Teilnehmer, darunter viele zugewanderte Familien. Ähnliche Erfahrungen machte die OG Penzing bei Faschingsfesten und Kinderflohmärkten. Und auch auf Facebook sind eindeutige Signale zu lesen: „Die Roten Falken Penzing sagen: Anziehen wie es mir gefällt, an jedem Ort auf der Welt!!!“ Schwieriger sei es, sagt Michaela, dass jene Kinder, die im Park gern mitmachen, auch in die Gruppenstunde kommen. Erst als einer der Falken einen türkischstämmigen Schulkollegen mitbrachte, war das Eis gebrochen. Ihm folgten weitere Kinder und inzwischen setzt sich rund ein Drittel der Falkengruppe aus Schülerinnen und Schülern der nahegelegenen Volksschule zusammen. „Die Mundpropaganda funktioniert immer so, ob ‚Migrationshintergrund‘ oder nicht, das ist bei allen gleich“, freut sich Michaela. Beim diesjährigen Pfingstlager, erzählt sie, sei sogar erstmals einer der türkischstämmigen Buben mitgefahren. 

Freundschaft geht durch den Magen

Wichtig sei ein gutes Verhältnis zu den Eltern, ist sich Michaela bewusst. Beim Abholen der Kinder von der Gruppenstunde werden zwar Freundlichkeiten ausgetauscht, nähere Kontakte oder gar ehrenamtliches Engagement von zugewanderten Eltern gebe es bislang jedoch nicht, bedauert sie. Umso erfreulicher ist es, dass am jährlichen Abschluss-Picknick vor den Sommerferien auch viele Menschen mit ausländischen Wurzeln aktiv mitmachen. Zum Fest, an dem sich alle Eltern der Falken-Kinder beteiligen, bringt jede/r etwas Selbstgekochtes mit. Die internationalen Speisen lassen sich „Bio-WienerInnen“ und „Neo-ÖsterreicherInnen“ im Park gemeinsam schmecken und lernen dabei neue Freunde aus der Nachbarschaft kennen. 

Neue Wege gehen

Mit dem bisher Erreichten möchte sich Michaela jedoch noch nicht zufrieden geben. In den kommenden Monaten möchte sie neue Akzente setzen, um Kinder - ungeachtet ihrer Herkunft - auf ihre Gruppe aufmerksam zu machen. So hat sie sich eine Tour zu den Kindergärten der Umgebung vorgenommen, wo sie sich und die Aktivitäten der Ortsgruppe vorstellen möchte, „auch wenn die Kinder noch nicht in unserer Altersgruppe sind“, baut sie auf die Zukunft. Eine weitere Initiative klingt ebenfalls vielversprechend: In Zusammenarbeit mit der Volkshochschule wurden im Frühjahr drei Kinderstunden in den Räumen der Falken angeboten. Neben Yoga und Basteln stand ein weiteres Thema am Programm: „Sprachen aus der Nachbarschaft“. Dabei konnten die Kinder auch lernen, wie sie ihre Nachbarn begrüßen können. Dem Vernehmen nach gehen den Kindern in der OG Penzing „Merhaba“, „Dobro došli“ oder „Welcome“ mittlerweile genauso flüssig über die Lippen, wie „Willkommen!“

Christoph Witoszynskyj,September 2014

Druckansicht
 


Österreichisches Institut für Kinderrechte und Elternbildung
Ballgasse 2 · 1010 Wien
01/512 12 98 - 57 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.