Jugendliche halten sich an den Händen, © Rote Falken

Wenn wir zusammen gehen, kommt mit uns...

Was verstehen Jugendliche unter dem Begriff Solidarität? Woran denken sie, wenn sie den Begriff hören? Welche Erlebnisse haben sie mit solidarischem oder auch unsolidarischem Verhalten? Diese Themen haben wir im Sommer 2014 mit Jugendlichen der Falkengruppe Recklinghausen im Rahmen einer Gesprächsrunde im Falkencamp Döbriach diskutiert. 


Besonders wichtig bei der Definition des Wortes waren den teilnehmenden Jugendlichen die Aspekte Zivilcourage, Zusammenhalten und Wertschätzung gegenüber Anderen. In diesem Kontext erzählten sie auch von persönlichen Erlebnissen mit solidarischem bzw. unsolidarischem Verhalten. 

RASSISMUS IST UNSOLIDARISCH!

Das Thema Vorurteile und Rassismus beschäftigte uns in der Gesprächsrunde besonders lange. Rassistische Verhaltensweise, Zuschreibungen auf Grund des Aussehens einer Person, Verallgemeinerung bestimmten Bevölkerungsgruppen gegenüber waren wichtige Bausteine des Gesprächs. Dabei kritisierten die Jugendlichen nicht nur den Alltagsrassismus gegenüber Zugewanderten. Insbesondere jene GesprächsteilnehmerInnen die selbst aus Zuwandererfamilien stammen, störten sich auch an Vorurteilen und Verallgemeinerungen gegenüber der Mehrheitsgesellschaft. 

„Wenn ich das in diesem Kreis, (...) die meisten kommen da, also die Eltern sind Ausländer. Und dann wird immer über Deutsche abgelästert, sowas wie diese scheiß Deutschen, (...) dann diese Deutschen, reden dann über die Ausländer, boah, immer diese scheiß Ausländer hier, (...) Wieso denn einfach nicht zusammen leben? Die leben im selben Land und vielleicht haben sie nicht dieselbe ethnische Herkunft, aber trotzdem kann man doch sich auch verstehen.” 

ZIVILCOURAGE IN DER ÖFFENTLICHKEIT

Solidarität ihnen selbst gegenüber haben die (weiblichen) TeilnehmerInnen der Gesprächsrunde insbesondere im öffentlichen Raum, in Form von Zivilcourage in bedrohlichen Situationen erlebt. Exemplarisch hier ein Bericht einer jungen Gesprächspartnerin: 

„Ich war im Bus und das war so Abends gegen 10 Uhr und dann bin ich nach Hause gefahren und dann war da so ein Mann, der war vielleicht angetrunken oder sonst was und ich habe halt gesehen, wie der ständig, auf mich geschaut hat. Und dann bin ich aufgestanden, er ist auch aufgestanden, dann bin ich aus dem Bus, er ist mir hinterher und dann bin ich wieder rein, der Busfahrer hat hinter mir die Tür zugemacht und ist weitergefahren. Und dann hat er halt gesagt, ist alles ok bei Ihnen, geht es Ihnen gut, geht es Ihnen gut? Und ich so, ja, danke. Ich war dem Busfahrer so dankbar, dass er mir in diesem Moment geholfen hat.” 

ZUSAMMENHALT IN DER SCHULE 

Als besonderes Erlebnis im Kontext gelebter Solidarität berichten die Jugendlichen vom Klassenzusammenhalt in der Schule gegenüber unfairen LehrerInnen. Über ein erfolgreiches Beispiel erzählt eine 15-Jährige: 

„Dann war da halt auch so ein Lehrer, der war richtig, richtig doof, dann hat der Lehrer irgendwie so ein Kind richtig fertig gemacht. Ja, die hat irgendwie, keine Ahnung wie lange nicht Hausaufgaben gemacht, weil die halt, ich sage mal schlechte Eltern hat. Und dann hat der Lehrer sie richtig fertig gemacht, weil sie nie, also fast nie ihre Hausaufgaben hatte und sie auch immer falsch waren. (...) Und dann haben wir gesagt, komm, wir helfen ihr jetzt mal, weil die hat auch richtig Augenringe und so gehabt, die konnte die ganzen Nächte nicht schlafen, weil die richtig Ärger auch bekommen hat. Und ja, dann haben wir mal alle zusammen so gesagt, komm, wir setzen uns jetzt mal durch und dann sind wir auch zu dem Sekretariat gegangen und haben gesagt der Lehrer, der ist gemein. Und dann haben wir auch die anderen Klassen dazu geholt und die fanden das genau so. Deswegen ist der Lehrer jetzt nicht mehr auf unserer Schule.” 

Marion Hackl, September 2014

Druckansicht
 


Österreichisches Institut für Kinderrechte und Elternbildung
Ballgasse 2 · 1010 Wien
01/512 98 - 57 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.