Vier Kinder halten Sprechblasen mit #FREEJOSEF hoch, © Rote Falken

Wir sind geboren, um frei zu sein

Welche Ansichten und Erfahrungen haben Kinder zum Thema Freiheit. Das war das Thema einer Gesprächsrunde mit zehn- bis zwölfjährigen TeilnehmerInnen der Falkengruppe Recklingshausen, die wir im August 2014 im Falkencamp Döbriach moderiert haben. Dabei ist v.a. eines klar geworden: Freiheit hat viele Aspekte - im Großen, wie im Kleinen.


Freiheit im Großen bedeutet für die teilnehmenden Kinder v.a., dass jeder Mensch seine eigene Meinung sagen kann und so angenommen wird, wie er ist - unabhängig von Hautfarbe, Geschlecht oder Behinderung. Dass die Umsetzung dieser zwei Aspekte vor zahlreichen Hürden steht, wurde bei der Frage danach durch was die Freiheit von Menschen eingeschränkt wird, bald klar. Als große Einschränkungen benannten die jungen DiskussionsteilnehmerInnen eine Reihe von Aspekten: Kriege, Mobbing, Zwangsheirat, Antisemitismus, Homophobie, Flüchtlingslager, zu Unrecht verhängte Gefängnisstrafen, politische Verfolgung und wirtschaftliche Not. 

„Und dann gibt es ja auch ganz viele Länder, die dann ganz arm sind. Und dann, es ist eigentlich auch ein bisschen gemein, wenn wir so viel haben und die gar nichts, ich meine, würde man alles Geld, was diese ganze Welt hat, ganz gerecht aufteilen, wäre es besser.” 

PERSÖNLICHE ERFAHRUNGEN

Neben diesen großen Themen, spielten während der Gesprächsrunde auch die Erfahrungen in ihrem eigenen Umfeld eine zentrale Rolle. So wurde z.B. über die Ausgrenzung von Frauen und Mädchen aus bestimmten Sportarten diskutiert: 

„Das ist mir halt selber schon passiert, ich wollte früher immer Eishockey spielen und es ist halt so, dass es nicht so Sportvereine für Frauen und Mädchen gibt, sondern eigentlich nur für Jungs. Wir haben überall geguckt und dann haben wir da mal gefragt und so und dann haben die nach dem Geschlecht gefragt und dann haben wir halt weiblich gesagt und dann haben die gesagt, nein, das ist hier nur für Jungs. Und das stört mich halt, dass es manchmal keine Gleichberechtigung zwischen Mann und Frau oder generell keine Gleichberechtigung gibt.” 

Eine Teilnehmerin berichtet über ihre Erfahrungen was den ausgrenzenden Umgang mit Menschen mit Behinderung betrifft:

„Ich habe einen behinderten Bruder, der hat das Down-Syndrom, dann waren ich, mein Bruder und meine Oma auf dem Spielplatz, da wurde der auch ganz stark gemobbt, nur weil er eine Behinderung hat.” 

Persönlich frei fühlen sich die befragten Kinder z.B. in der Natur, im Umgang mit Tieren, beim Sport, im Urlaub, im Kontakt mit FreundInnen und Geschwistern. Wichtig war den DiskussionsteilnehmerInnen auch auf dieser persönlichen Ebene noch einmal zu betonen, dass insbesondere das Gefühl so akzeptiert zu werden, wie man ist und immer seine Meinung sagen zu dürfen wichtige Voraussetzungen für das Gefühl von Freiheit sind. Generell fanden die jungen DiskutantInnen, dass man nie gänzlich frei sein kann: 

„Eigentlich finde ich, dass man nirgendwo ganz frei ist, weil es gibt immer Begrenzungen und das, also es gibt immer irgendwelche Sachen, die man nicht machen darf oder sowas. Also eigentlich finde ich, bei mir, ich fühle mich eigentlich nirgendwo ganz frei. (...) Zum Beispiel, ich bin einmal in den Wald gegangen, wollte einfach nur spazieren gehen und dann sind halt so Leute gekommen und haben gesagt, das ist ihr Privatgrundstück und haben nein gesagt zu irgendwelchen Sachen. Oder beim Einkaufen. Dann sagt meine Mutter auch manchmal, nein, dafür haben wir zu wenig Geld.” 

Wobei die Kinder durchaus der Meinung sind, dass bestimmte Eingrenzungen der individuellen Freiheit einer Person legitim sind, wenn sie förderlich für das Zusammenleben aller Menschen sind. Sie formulieren aber auch sehr klar: 

„Aber es gibt bei vielen Sachen, einfach auch zu viele Regeln”

Marion Hackl, September 2014

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