IMG_6011

Gedenkstättenfahrt 2016 Dachau & München

von Jürgen Kraushofer

 

Unsere Heurige Gedenkstättenfahrt führte uns nach Dachau und München. Mit dem Zug ging es von Wien über Linz und Salzburg nach München und von dort gleich weiter nach Dachau.

Aber schon bereits im Zug beschäftigen wir uns mit dem Thema Nationalsozialismus.

Angekommen in Dachau stand erst mal Zimmer beziehen am Programm und danach ein gemütliches Zusammensein im Restaurant Zorbas wo wir untergebracht waren.
Frisch und munter starteten wir dann am nächsten Morgen auf vielfachem Wunsch mit einem Morgenkreis im Freien gefolgt vom ersten Workshop zum Thema Nationalsozialismus. An Hand einer Zeitlinie platzierten wir Schilder mit Ereignissen aus dieser Zeit um sie zu zuordnen zu können, wir waren teilweise selbst überrascht wie sehr wir bei so manchem Ereignis doch daneben lagen.
Das Mittagessen war dann selbst zu organisieren was sich allerdings gut zu einem kleinen Spaziergang durch einen Teil Dachaus nutzen lies.
Frisch gestärkt ging es dann nach dem Mittagessen zum ersten mal zur Gedenkstätte Dachau.
In einem Park in der Nähe der Gedenkstätte erwartete uns bereits unser Guide der uns durch das ehemalige KZ Dachau führen würde. Nach ein paar ersten Informationen über das KZ ging es dann auf einem kurzen Fußweg entlang des ehemaligen SS Ausbildungslagers, welches sich damals direkt neben dem ehemaligen KZ Dachau befand zur Gedenkstätte. Heute befindet sich auf dem Gelände des ehemaligen SS Ausbildungslagers eine Ausbildungsstätte der bayrischen Polizei, was einige von uns etwas verstörend fanden.

„Arbeit macht frei.“
Dieser Satz steht groß zu lesen am Eingangstor zum ehemaligen KZ Dachau. Und er trifft einem auch wie ein Hammerschlag beim betreten. Beim Durchschreiten des Tores auf den großen Appellplatz haben einige von uns ein etwas laues Gefühl im Magen. Zu wissen das hier Menschen gequält, geschunden und umgebracht wurden einzig wegen ihrer politischen Gesinnung oder ihrer Religion verstört zunehmend.
Das KZ Dachau wurde am 22. März 1933 eröffnet. Zunächst diente es der Inhaftierung von politischen Gegnern des NS-Regimes. Heinrich Himmler, 1933 Reichsführer SS und Münchener Polizeipräsident, ließ es östlich der Stadt Dachau auf dem Gelände einer ehemaligen Munitionsfabrik errichten. Es diente – vor allem in seinen Anfangsjahren, als die NSDAP ihre Macht festigen wollte – zur Inhaftierung und zur Abschreckung politisch Andersdenkender.
Nach der erfolgreichen Zerschlagung der SA im Jahr 1934, vor welcher die „Röhm Putsch“-Lüge verbreitet worden war, begann Himmler die Vergrößerung des KZ zu planen. 1937 begannen die Bauarbeiten für den neuen Häftlingsbereich, der an die ehemalige Munitionsfabrik anschloss. Organisation und räumlicher Aufbau waren später eine Vorlage für neue KZ im Reichsgebiet. Das NS-Regime präsentierte es propagandistisch als „Vorzeigelager“, beispielsweise mittels geschönter Fotografien.
Dachau war Ausbildungsort für SS-Wachmannschaften und SS-Führungspersonal, die nach Beginn des Zweiten Weltkriegs unter anderem in Vernichtungslagern eingesetzt wurden. Das KZ Dachau war kein Vernichtungslager; jedoch wurden in keinem anderen KZ so viele politische Morde verübt.
Nach der Reichspogromnacht inhaftierte die SS verstärkt auch Juden und andere Verfolgte. Nach Beginn des Zweiten Weltkrieges wurden auch Menschen aus besetzten Gebieten Europas im KZ Dachau inhaftiert. Es entwickelte sich zur Keimzelle für neue KZ und nahm mehrere Sonderstellungen ein: Das Lager war der erste Ort im Deutschen Reich, an dem einem SS-Lagerkommandanten die alleinige Gerichtsbarkeit zugeteilt wurde und geltendes Recht erfolgreich außer Kraft gesetzt wurde. Die SS schuf einen „Staat im Staat“, in dem sie politische Gegner gefangen hielt, unterdrückte und ermordete.
Von den insgesamt mindestens 200.000 Dachauer Haftinsassen starben etwa 41.500. Zusätzlich deportierte die SS häufig Häftlinge in Vernichtungslager wie zb Auschwitz.
Am 29. April 1945, marschierte die US-Armee zur Befreiung des Hauptlagers ein. Sie traf völlig unvorbereitet auf den Todeszug aus Buchenwald, der neben dem Häftlingslager auf dem SS-Gelände stand und in dessen Waggons etwa 2300 Leichen lagen.

Bilder sagen mehr als tausend Worte
Das war das Thema des Nachmittagsworkshops, welchen wir in einer Rekonstruktion einer Häftlingsbaracke machten. Wir sahen uns verschiedene Bilder des KZ Dachaus an, suchten uns eines aus begründeten was wir darauf sahen bzw. glaubten zu sehen. Unter den Bildern befand sich auch das eine oder andere Propaganda Bild der NS Presse. Doch die Zeit verging wie im Flug und so war es dann auch wieder Zeit die Gedenkstätte zu verlassen.
Am folgenden Morgen ging es zeitig aus den Federn denn auf unserem Programm stand der Ausführliche Besuch der Gedenkstätte Dachau. Leider hatte unser Unterkunftsgeber auf unser Frühstück vergessen und so machten wir uns auf ein Café zu finden um vorher noch etwas in den Magen zu bekommen.
Der Rundgang durch das ehemalige KZ erwies sich für den ein oder anderen als recht bedrückend, was uns aber nicht daran hinderte gemeinsam in einem der Ausstellungsräume die „Moorsoldaten“ anzustimmen. Ein Film über das ehemalige KZ Dachau mit Aufnahmen der Befreier rundete das Bild ab.
Nachmittags gab es dann noch einmal einen Workshop wo wir das Thema von Verschiedenen Seiten noch einmal Reflektierten. Von Seiten der Opfer, der NS Presse und der internationalen Berichterstattung über das Lager. Oft lagen Welten dazwischen.

München NS Dokumentationszentrum & Stadtrundgang
Am nächsten Tag ging es weiter nach München, wo wir zunächst einmal den Nachmittag zur freien Verfügung hatten. Einige von uns nutzten diese Zeit um die Innenstadt von München auf eigene Faust zu erkunden.
Tags darauf besuchten wir das NS Dokumentationszentrum. Leider hatte man auf uns vergessen, aber es wurden schnell Ersatz Guides für uns gefunden. Durch die Ausstellung führten uns Elisabeth Schulze & Thomas Ring.
Nach einer kurzen Führung durch die Ausstellung und einem kurzem historischen Überblick über die NS Zeit und der Rolle München darin ging es ans Eingemachte. Wir teilten uns in kleine Gruppen und jede Gruppe bekam ein Thema zur Selbstrecherche. Die Umfangreiche Bibliothek mit PC und Büchern wurde von uns für unsere Recherchen genutzt. Nach ein paar Stunden der Recherche präsentierten wir unsere Ergebnisse in der Ausstellung.
Am Nachmittag erwartete uns dann der letzte Punkt unserer Reise, ein Stadtrundgang zum Thema Nationalsozialismus in München.
Beginnend am Königsplatz führte uns unser Weg über den Geschwister Scholl Platz bis zur Feldherrnhalle.
Der Geschwister Scholl Platz war wohl der emotionalste Ort auf unserem Rundgang. Benannt ist dieser Platz nach Hans und Sophie Scholl. Beide wurden bekannt als Mitglieder der „Weißen Rose“, einer in ihrem Kern studentischen Münchener Gruppe, die während des Zweiten Weltkriegs im Widerstand gegen den Nationalsozialismus aktiv war, insbesondere bei der Verbreitung von Flugblättern gegen den Krieg und die Diktatur unter Adolf Hitler.
Hans und Sophie Scholl gelten seit der Nachkriegszeit bis in die Gegenwart als bedeutende Symbolgestalten eines an humanistischen Werten orientierten Widerstands gegen das totalitäre NS-Regime.
Das Geschwisterpaar Hans und Sophie Scholl wurde am 18. Februar 1943 beim Verbreiten von Flugblättern an der Münchner Universität von deren Hausmeister Jakob Schmid überrascht und bei der Gestapo denunziert. Bereits am 22. Februar 1943 wurden sie vom Volksgerichtshof unter der Leitung von Roland Freisler zum Tod verurteilt. Hans und Sophie Scholl entschieden sich nicht für die Verteidigung ihres Widerstandskampfes, sondern versuchten nur dessen Begründung. So antwortete Sophie Scholl auf die Frage Freislers nach dem Tatmotiv: "Einer muss ja doch schließlich damit anfangen. Was wir sagten und schrieben, denken ja so viele. Nur wagen sie nicht, es auszusprechen" Noch am selben Tage wurden sie im Gefängnis München-Stadelheim von Johann Reichhart mit der Guillotine enthauptet.
"Es lebe die Freiheit", das war der letzte Satz von Hans Scholl, bevor er seinen Kopf unter das Fallbeil legen musste und von den Nationalsozialisten hingerichtet wurde. Seine jüngere Schwester Sophie war da schon tot. Die beiden Studenten hatten die Schreckensherrschaft Adolf Hitlers nicht hinnehmen wollen und kämpften mit ihren Mitstreitern von der Widerstandsbewegung "Weiße Rose" für Frieden und Freiheit.
Und deshalb dürfen auch wir nie müde werden für die Freiheit und Würde der Menschen zu kämpfen. Gerade in einer Zeit wie heute wo Rassismus und Hass wieder an Nährboden gewinnen. In diesem Sinne „wehret den Anfängen!“
 

Druckansicht

Dachau

 


Rote Falken Österreich
Rauhensteingasse 5 · 1010 Wien
01/512 12 98 - 56 ·

© 2015 Kinderfreunde. All rights reserved.