IFM Camp Titelbild

Rückblick IFM Camp 2016

„Was nehmen wir mit?“ „Ach ein paar Kartenspiele, Wasserkanister und einen Gaskocher. Und Plastikplanen – das kann nie schaden!“
Mit vier Jugendlichen, zwei Kids, zwei Graufalken, einem Bully (so sagen die deutschen Genoss*innen zu einem Neunsitzer-Bus) und ganz vielen Erwartungen zog die Gruppe Linz-Schiffswerft los um ihr erstes IFM Camp zu bestreiten. Hier der Bericht ihrer ganz persönlichen Camperfahrung:

Los geht’s
Wir waren die ersten in unserem Zeltdorf. Das war super, so konnten wir uns mal einrichten und alles erkunden. Wir holten das Essen fürs Dorf – so schnell finden sich Freunde ;-) und beobachteten dann wie die anderen ihre Zelte bezogen. Die Gruppe aus Katalonien war nur kurz hier und niemand wusste so genau wo oder warum die weiter gezogen sind. Egal, mit einer SJ Gruppe aus Köln, drei Menschen aus Indonesien und 5 oder 6 Woodies (Woodcraft Folk London) bildeten wir ein lustiges Dorf. Ach ja und eine Teilnehmerin aus Mali war auch da (manchmal ;-)
Die ersten Tage waren geprägt von Sitzungen (Helfer*innenbesprechung im Dorf, Dorfparlament, Morgenkreis, Stadt-Parlament, Technik-Sitzung, Head of Delegations Meeting, Pervention of Sexual Violence, Treffen der Gruppen aus Österreich,…) gut, die Sitzungsmoral lies dann nach und in der zweiten Woche ging es wesentlich ruhiger weiter. Ebenso in der Youth Area, der place-to-be für alle ab 15 Jahre und für die Jüngeren in Begleitung der Betreuer*innen. Dort gab es Disco, Bier (manchmal auch Wein) und vor allem gefühlt 2500 junge Menschen, die diskutieren, tanzen, flirten, musizieren oder einfach nur abhängen. Ja nach ein paar durchtanzen Nächten und mutwilligen Attacken auf die Stromversorgung wurden die Lautsprecher neu ausgerichtet, die Lautstärke zurück-und auch schon mal um 2.00 Uhr das Licht abgedreht. Aber meist dauerte die Party bis in die Morgenstunden. Was wir nie erlebten waren die Partys in den Höhlen. Die waren eigentlich alte Erdkeller. Besichtigt haben wir diese schon auch, allerdings tagsüber. Was immer noch gruselig genug war.
Gruselig war auch, dass immer wenn wir baden wollten eine Schlechtwetterfront aufgezogen ist. Das konnte unserer Stimmung aber gar nichts anhaben. Denn erstens ist es auch mit Regenschirm sehr fein im Freibad und zweitens kann ein gemütlicher Lesevormittag mit dem Känguru, Marc-Uwe und einem Bottich voll warmer Milch (mit Honig und Butter – altes russisches Hausmittel) auch sehr nett sein. Ja wir haben auch noch einen Topf eingepackt – wir gebens zu!

Lernen, Leben und … Essen
So aber um die Ehre unserer Bewegung (IFM hat auch noch ein SEI dabei – es bedeutet: Socialist Educational International) zu retten - wir haben auch Workshops besucht! Jeden zweiten Tag gab es ein tolles Angebot an Workshops zu verschiedenen Themenbereichen. Die wurden in der Camp-Zeitung präsentiert und zum Frühstück von uns studiert. Bei der Workshop Area angekommen haben wir dann meist doch einen anderen Workshop gemacht, aber das ist ja egal. Themenzelte gab es unter anderem zu Kinderrechte, Sexualität, Gender, Antifaschismus, Frieden, Demokratie. Es wurde eine eigene Helfer*innen Schule angeboten und das Medienteam brauchte ständig fleißige Reporter*innen. Schließlich beteiligten wir uns als Fotografinnen, Interview- und Film Crew, besuchten Workshops zu “no means no”, Selbstbewusstsein stärken und „My body is a playground - exploring and learning how to enjoy our bodies in many different ways“. Der Letzte klang irre spannend – wurde aber abgesagt… Wir haben uns dann einfach selbst einen Workshop ausgedacht und waren am Ende sehr zufrieden. Überhaupt waren wir mit dem ganzen Camp sehr zufrieden. Unsern Wünschen wurde immer nachgegangen, (danke Josi und Immi – den Vorsitzenden der SJD Die Falken) Es gab schließlich mal Reis zu essen und wir konnten ständig Obst und Gemüse ausfassen. Nein Kohlrabi als Mitternachtssnack ist nicht empfehlenswert aber trotzdem super, das es ihn gab. Andere fanden das Essen nicht immer so toll und von den Kölner Genossen haben wir gelernt: „Der Hunger treibts rein –der Ekel treibts runter“. Aber als alte Hasen wissen wir mit Essiggurkerl ist alles viel besser und darum haben wir auch Taschengeld für eben diese aufgebracht.

Politik
Ja aber das war lange noch nicht alles. Zwei Wochen sind doch lange (zumindest in der Erzählung in Echt verging die Zeit wie im Flug). Eine lückenhafte Zusammenfassung der politischen Themen am Camp:
Sicherheit - Reicht die camp-eigene Security? Brauchen wir Polizei? Nein, die Polizei kann uns gestohlen bleiben! Podiumsdiskussionen über selbstverwaltete Sicherheit vs. staatliches Gewaltmonpol.
Siezen – eine Unart der besonderen Art, Zitat aus den CampNews:
You may say you to me
Aus gegebenem Anlass weist die Campleitung darauf hin, dass auf dem Platz ein „Siez-Verbot“ herrscht. Alle Helferinnen und Helfer sind es gewohnt, mit ihrem Vornamen angesprochen zu werden; viele empfinden es als Beleidigung, wenn Sie mit „Sie“ angesprochen werden. Haben sie verstanden?
Sanitäranlagen für alle Menschen – wir, als Post-Gender Menschen, befinden, es sollte ausreichend Toiletten und Duschen geben und dort sollen sich alle willkommen und wohl fühlen. Also Fäkalien ins Klo, Papier ins Klo, Hygieneartikel in den Mistkübel und immer schön hinsetzen! Ähmm ja, das sahen nicht alle so und darum gab es Demonstrationen, Diskussionsrunde, Konzertunterbrechungen und die eine oder andere Besprechung mit der „Roten Flitsche“ (dazu gleich mehr) und schließlich wurden die Sanitäreinrichtungen zur weitgehenden Zufriedenheit aller in „women and trans“ „men and trans“ und „all gender“ eingeteilt.

Die Rote Flitsche und wie so ein Camp funktioniert
Flitschen = aufwischen, also der Reinigungstrupp. Hier mal ein großes DANKE an alle die im Camp für Sauberkeit, Sicherheit, Essen und Abwasch gesorgt haben. Ohne euch wären wir „… nie gewaschen, und meistens nicht gekämmt (…) äßen Fisch mit Honig und Blumenkohl mit Zimt. (…) Wir könnten auch nicht schlafen wenn Du nicht nochmal kämst und uns…“ die Musik abdrehst :-)

Ein paar Daten, Zahlen und Fakten
2500 Menschen waren mit uns, am Willy-Brandt-Zeltlagerplatzes in Reinwarzhofen. Aus Österreich waren wir knapp 200, davon jeweils eine gemischte Gruppe aus Wien, OÖ und dem Rest von Österreich. Die Roten Falken Wien Penzing, Wien Leopoldstadt, Krems und Gedersdorf. Am Camp wurde täglich um 1000 Euro Obst und Gemüse eingekauft und … ach wir waren von 23. Juli bis 5. August (also viel zu kurz) dort.

Und was bleibt sonst noch zu erzählen? Wir haben einen 16. Geburtstag gefeiert inkl. Torte, Kindersekt und Geschenke-Schnitzeljagt. Wir waren die Schmink-Fraktion und es gab auch Henna Tattoos made by Schiffswerft. Es gab einen tollen Aktionstag in Nürnberg. Wir haben viel gelernt (manches wollten wir vielleicht auch gar nicht wissen) Es wurden neue Freunde gefunden, alte Freunde wieder gesehen. Ja, wir waren lange auf und auch mal müde. Nein, wir sind nicht früher schlafen gegangen, denn auch spät Nachts mussten wir uns mit Sozialismus und so beschäftigt - beim Singen am Lagerfeuer, Diskussionsrunden in der Youth Area, dem Archivzelt oder im Red Town Café. Noch ein Nachtrag zu den Menschen, die das Camp so unvergesslich gemacht haben: DANKE Klaus und Chrisi für die herzliche und kulinarisch unglaubliche Versorgung im Red Town Café!

Und dann – war es aus.

Ja genau einfach so. Völlig abrupt. Und erst zuhause wurde uns bewusst wie treffend der Titel des Camps doch war „Welcome to another world!“.

Feedback am Weg nach Hause: „Es war so toll, weil wir keine Regeln hatten“ „Ja war eh ok“ „Danke, danke, danke, dass wir da hingefahren sind!“ Zur Frage ob wir 2018 nach Finnland fahren sollen. „Na dann werde ich meinen Achtzehnten Geburtstag auch auf Camp feiern!“, … Nachsatz: „Wir hatten keine unnötigen Regeln!“
Weitere Erinnerungen und Fotos vom Camp, Ergebnisse der Workshops, die Camp Zeitung und Camp News könnt ihr am Blog des IFM Camps ansehen.

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