Beine von 2 Mädchen in Wiese beim Abgehen eines markierten Weges

"Die gleiche Chance... 100 Schritte zur Bildung"

Vielen Menschen ist die Bedeutung des Bildungsvolksbegehrens nicht klar. Die Kinderfreunde haben daher ein Spiel entwickelt, das spürbar macht, worum es dabei geht.
Denn nicht alle Kinder mit gleichen Begabungen haben auch gleiche Bildungschancen.

 
Es gibt viele Zahlen und Studien die beweisen, dass unser Bildungssystem soziale Selektivität verstärkt. Wie kann es sein, dass gebildete Menschen, die Verantwortung für unsere Gesellschaft haben, das noch immer negieren?“, fragt (sich) der ehemalige Bildungs-Ombudsmann und AHS-Lehrer Daniel Landau, Mitbegründer der Gruppe „LehrerInnen fürs Bildungsvolksbegehren“.

 
50 Minuten Frontalunterricht und eine normierte 5-teilige Bewertungsskala können heute genau wie vor 250 Jahren das Potenzial ganz unterschiedlich begabter Kinder nicht nutzen, viel davon geht verloren. Unter Maria Theresia war Frontalunterricht für alle Kinder ein Fortschritt. “Heute wissen wir, dass diese Rahmenbedingungen den Erkenntnissen von Hirnforschung und Entwicklungspsychologie vehement widersprechen. Und dennoch sind sie nach wie vor das Lernumfeld unserer Kinder“, moniert Christian Morawek, Geschäftsführer der Wiener Kinderfreunde.

 
Die Auswirkungen in Fakten:

  • 77 % der 12-jährigen, deren Eltern einen Uni-Abschluss haben, besuchen eine AHS-Unterstufe. Dieser Prozentsatz sinkt auf 12 %, wenn Eltern nur einen Pflichtschulabschluss besitzen. (PIRLS 2006, Suchan et al, Hrsg.).
  • Erfolgreiche Schulsysteme, mit überdurchschnittlichen Leistungen und unterdurchschnittlichen sozioökonomischen Ungleichheiten, sind vor allem solche, die Schülerinnen und Schülern gleiche Bildungschancen bieten - unabhängig vom Status und Gehalt ihrer Eltern (www.oecd.org).
  • Nur in Mexiko und der Türkei ist der Anteil von 15-/16-Jährigen ohne Schulabschluss, die keine Schule mehr besuchen, größer als in Österreich (OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2011“)
  • 10 % der SchülerInnen verlassen unser Schulsystem ohne abgeschlossene Schulausbildung (PISA-Studie)
  • Die Unterschiede in der Leseleistung von SchülerInnen mit unterschiedlichem sozio-ökonomischen Hintergrund sind von 31 OECD Ländern nur in zwei Ländern höher als in Österreich. (OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2011“)
  • SchülerInnen der ersten und zweiten Generation mit Migrationshintergrund haben nur in drei OECD-Ländern eine schlechtere Leseleistung als in Österreich („OECD-Bericht „Bildung auf einen Blick 2011“)
  • Dennoch sind die Bildungsausgaben gemessen am BIP nicht nur unter dem OECD- Schnitt, sondern seit 1995 gesunken (bei steigendem BIP)

 
Um das alles unmittelbar erfahrbar zu machen, haben die Wiener Kinderfreunde ein Spiel herausgegeben, das die MitspielerInnen in die Rolle von vier SchülerInnen in Österreich versetzt, die aus ganz unterschiedlichen Familien kommen. Jedes Kind hat ein Kontingent von 100 Schritten für seinen Weg durch Volksschule und Mittelstufe. Aber jedes Kind wird mit Ereignissen konfrontiert, die typisch für sein familiäres Umfeld sind und die beeinflussen, ob die 100 Schritte ausreichen oder nicht.

 
„Wenn Sie dieses Spiel gespielt haben, verstehen Sie sofort, warum unser Schulsystem so viele Potenziale zum Nachteil der Kinder und von uns allen nicht nützt“, so Spiele-Erfinder Franz Ryznar, ehrenamtlicher Mitarbeiter der Kinderfreunde Josefstadt. Als Architekt, der sich sehr viel mit der Weiterentwicklung von Klassenzimmern zu echten Lernräumen beschäftigt, macht Ryznar auf einen weiteren Änderungsbedarf aufmerksam: „Kaum ein Arbeitsplatz hat sich über Jahrhunderte strukturell so wenig weiterentwickelt, wie der von SchülerInnen und Lehrenden. Möchten Sie sich in einem Operationssaal behandeln lassen, der im Wesentlichen so funktioniert wie vor 250 Jahren, nur halt jetzt heller und zentral beheizt ist?

Wer das Bildungs-Spiel der Kinderfreunde selbst ausprobieren möchte, findet die Spielunterlagen hier zum Downloaden, Ausdrucken und Ausschneiden oder kann sie bei den Wiener Kinderfreunden bestellen:
Tel. 01/401 25 DW 55 oder DW 350,
Email:

 

 

Die Spielanleitung (353,53 kB)
Spielfeld Oberteil (2,65 MB)
Ereigniskarten_Rot (90,54 kB)
Ereigniskarten_Gelb (91,66 kB)
Ereigniskarten_Blau (85,35 kB)

 
Rückfragen zu diesem Text richten Sie bitte an:

Michaela Müller-Wenzel, Wiener Kinderfreunde, Tel. 01/40125 Dw. 55
E-Mail:

Arch.DI. Franz Ryznar, Tel. 01/402 20 26, E-Mail:

 

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