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„Schmetterlinge draußen beobachten“


60 Teilnehmerinnen erlebten gestern eine außergewöhnliche Veranstaltung der Kinderfreunde: Kinder einer Volksschule präsentierten erwachsenen Expert/innen und Vertreter/innen des Bildungsministeriums ihre Vorschläge, wie „Bildungsräume“ in Schule und Kindergarten aussehen und gestaltet sein müssten. Die Ergebnisse bildeten die Grundlage einer spannenden Podiumsdiskussion. 


Expertinnen der Kinderfreunde und des Instituts für Kinderrechte (IKEB) trafen sich dazu mit den Kindern zu ausführlichen Workshops, bei dem die Kinder mit verschiedenen Methoden Vorschläge erarbeiten könnten. Die Workshops wurden gefilmt. Daneben wurden Schautafeln angefertigt, um den TeilnehmerInnen der Veranstaltung „Kinder Denken Bildung – Teil 1: Räume“ die Ergebnisse näherzubringen.

16 Kinder der Ganztagsvolksschule Kirschenallee in der Donaustadt erklärten den anwesenden Erwachsenen die verschiedenen bunt gestalteten Schautafeln und erzählten, wie sie ihre Bildung im Kindergarten oder Schule erleben. Welche Räume wie anders oder überhaupt angelegt werden müssten stand im Zentrum der Arbeit. Die Ergebnisse der Befassung der Kinder mit diesen Fragen sind bemerkenswert: Praktisch alle Kinder lernen gerne im Freien oder wünschen sich mehr Phasen von Bewegung und Spielen.

In der anschließenden Podiumsdiskussion wurden der Schulbauexperte und Architekt Franz Ryznar, Kurt Nekula, Sektionschef im Bildungsministerium und VS-Direktorin Astrid Pany zu den Ergebnissen der Kinder-Workshops befragt und diskutiert, wie die teils visionär erscheinenden Vorschläge der Kinder umgesetzt werden könnten.


Architekt Franz Ryznar wies darauf hin, dass Kinder generell mehr gefragt werden müssten, wie sie ihre Bildung gestalten wollen, denn ihre Bedürfnisse sind authentisch und ehrlich und nicht „visionär“, weil sie unseren bekannten Vorstellungen der Trichterpädagogik abweichen. Als Beispiel nannte Ryznar die Frage in welchen Konstellationen Kinder lernen wollen: „Viele sagen dann „zu zweit“ oder zu fünft oder allein, zu 200 wenn man z. B. im Theater sitzt, aber nie kommt da die Zahl 25, 25 Kinder in der Klasse ist für individualisiertes Lernen zu viel“. In der Schulbau-Architektur hätte sich zwar einiges getan, wie z. B. die Campus-Modelle in Wien zeigten, nun käme es aber auch darauf an, dass die Pädagoginnen diese Räume und flexiblere Raumorganisation auch für das Lernen nutzten.

Kurt Nekula, Sektionschef im Bildungsministerium sah darin ein Problem, dass sich Schulunterricht immer mehr  auf das Vermitteln von Lesen, Schreiben und Rechnen konzentriert und andere Bereiche vernachlässigt, die mit Bewegung, mit Natur mit Kreativität zu tun haben. Andererseits hätten Schulen ja in ihrer Autonomie viele Möglichkeiten auf die Bedürfnisse der Kinder zu reagieren, z. B. eigene Gegenstände erfinden, Stundenplan auflösen für einen Zeitraum, etc. Man könne auch die 50 Minuten-Einheiten auflösen, Gruppen bilden und Klassenräume flexibel nutzen, etc. Hier müsse der Unterricht einfach noch flexibler werden, die Pädagoginnen einfach noch mutiger Neues ausprobieren und Veränderungen mitgestalten.

Direktorin Astrid Pany (Campus Donaufeld, Wien-Floridsdorf) betonte, dass Kinder Räume bräuchten, wo sie tun könnten, was sie wollen, wo sie kreativ sein könnten, wo man Kurse anbieten könnte, etc. Das bedeutete aber auch, dass die Schulleitung oder die Lehrerinnen häufig ein wenig wegschauen müssten, was z. b. die häufig überzogenen  und absurden Sicherheitsbestimmungen anbelangt. Bildung müsse Kindern Abenteuer ermöglichen, z. B. auf einen Baum klettern oder mit Tieren in Kontakt zu kommen. Es müsse weiters erlaubt sein, die Gangflächen zu nutzen und die Räume kreativ zu gestalten ohne mit feuerpolizeilichen Bestimmungen in Konflikt zu geraten.

Drei weitere Veranstaltungen folgen, wo erneut zuvor mit Kindern bzw. Jugendlichen in Workshops gearbeitet wird und die Ergebnisse Expertinnen zur Diskussion vorgestellt werden:

11.06.   „Strukturen und Bildung“,

08.10.   „Inhalte der Bildung“:

12.11.   „Beziehungen in der Bildung“

 

Mehr Information:

Österr. Kinderfreunde

Mag. Günther Leeb

guenther.leeb@kinderfreunde.at

01 5121298-51

0699 1706 3837

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