Gruppe Graz Jakomini

Leuchtturm: Theaterpädagogisches Integrationsprojekt

A) Das Projekt

Die Kinderfreunde Graz-Jakomini führen seit 2012 an mehreren Neuen Mittelschulen in Graz erfolgreich Theaterprojekte durch. Dabei werden in den Schulen fünf mal zwei Stunden Workshops für Schülerinnen und Schüler der ersten beiden Klassen angeboten. Am Ende steht jeweils eine Aufführung der Schülerinnen und Schüler im beindruckenden und brandneuen Theater der Ortsgruppe. Hierbei wird deutlich, dass man gemeinsam etwas ganz Besonders und Außergewöhnliches auf die Bühne stellen kann! Die Theaterwissenschaftlerin Mag.a Tina Knabl unterstützt die Kinder und Jugendlichen bei der Umsetzung der selbsterarbeiteten Stücke. Bühnenbild, Kostüme, Maske, aber auch die schriftlichen und sprachlichen Ausarbeitungen werden von den Kindern und Jugendlichen selbst gestaltet.
Theater ist eine tolle Möglichkeit für Kinder sich auszudrücken und Selbstwert zu erfahren. JedeR kann sich nach seinen Interessen einbringen. Egal ob vor oder hinter der Bühne. Auch ohne eigenes Theater kann man als Kinderfreunde oder Falken Gruppe hier aktiv werden. Wichtig ist es, den Kontakt mit Schulen oder anderen Betreuungseinrichtungen zu finden. Natürlich kann und soll man auch mit der eigenen Kindergruppe Theater spielen. Bei diesem Projekt ist eindeutig der Weg das Ziel. Es geht nicht darum, dass die Kinder Texte auswendig lernen um diese dann bei einem Pensionistenverbandsabend vorzutragen, sondern darum selbst etwas zu erarbeiten.
Die Kinderfreunde Graz Jakomini finanzieren das Honorar für die Theaterwissenschaftlerin und stellen ihr Theater für die Aufführungen zur Verfügung. Durch diese Aufführungen in einem „echten Theater“ bekommt dies noch einmal einen besonderen Touch und die Kinder sind besonders stolz ihre Vorführung den Eltern und ihren Schulkolleginnen und Schulkollegen in diesem Ambiente darzubieten.
Dieses Projekt steht und fällt mit der Finanzierung, die ausschließlich über privates Sponsoring und Förderungen zustande kommt. Die Kinderfreunde Jakomini bieten dieses Projekt den Schulen kostenlos an. Es ist der engagierten Vorsitzenden der Kinderfreunde Graz Jakomini, Hanelore Binder zu verdanken, die unermüdlich auf der Suche nach neuen Geldquellen ist, dass diese Finanzierung zu Stande kommt.

B) Die Menschen hinter dem Projekt

Hanelore Binder ist die Vorsitzende der Kinderfreunde Jakomini. Sie hat die Ortsgruppe in einer finanziell schwierigen Zeit übernommen und versuchte von Beginn an, weitere Betätigungsfelder zu erschließen. Das theaterpädagogische Integrationsprojekt entstand aus einer Ferienaktion. Die Workshops mit Tina Knabl waren so beliebt, dass man sich entschloss, dieses Angebot auch Schulen anzubieten. Der gesamte Vorstand der Kinderfreunde Jakomini trägt dieses Projekt mit und auch bei den Aufführungen sind viele andere ehrenamtliche Helfer dabei. Ganz beachtlich, wenn man bedenkt, dass diese unter Woche zu Mittag oder am frühen Nachmittag stattfinden.

C) Wir verändern die Welt
Die Adaption des Konzepts für die Schulen stellte den Wert „Vielfalt“ in den Mittelpunkt und es wurden Schulen ausgewählt, die auch von vielen Migrantinnen und Migranten besucht werden. Das Projekt soll einerseits die Klassengemeinschaft stärken und auch den Kindern Selbstbewusstsein geben. Und das scheint zu gelingen. Wir besuchten eine Vorführung der NMS Fröbelpark im Mai 2015. Begleitet wurde die Klasse von ihrer Klassenvorständin Sandra Sundl. Auch Frau Sundl zeigte sich von dem Projekt hellauf begeistert und möchte das auch allen anderen Schulen empfehlen. Sie selbst konnte bei den Schülerinnen und Schülern sehr rasch ein besseres Selbstbewusstsein erkennen. Ein weiterer wichtiger Aspekt sei, dass die Lehrerinnen und Lehrer nun die Kinder ganzheitlicher kennen gelernt hätten und gesehen haben, welche Potentiale in den Kids schlummern. Frau Sundl war nach der Aufführung sichtlich gerührt.
Auch Hanelore Binder berichtete von vielen Highlights, die sie schon erleben durfte. Immer wieder bemerke sie, wie die Kinder aus sich hinausgehen würden und Vorurteile überwunden werden würden. Sie erinnert sich beispielsweise sehr gut an ein Stück, bei dem Buben auch die Frauenrollen übernommen hatten. Nach anfänglichem Veto aus einem Elternhaus gelang es jedoch nach einigen Gesprächen mit den Eltern auch hier Ängste und Vorurteile abzubauen und schlussendlich spielten alle die ihnen angedachten Rollen. Sowohl Eltern und vor allem auch die Kinder waren letztendlich um diese wichtige Erfahrung reicher.
D) Stolpersteine
Die Kinderfreunde Jakomini setzen dieses Projekt höchst professionell um. Daher sind auch die Kosten entsprechend hoch und die Finanzierung hängt wie ein Damoklesschwert über jeder weiteren Seminarreihe. Hier würden sich sowohl die Kinderfreunde Jakomini, als auch die Schulen mehr Unterstützung durch die Politik wünschen. Hanelore Binder ging mit der Ortsgruppe den schwierigen Weg durch die Institutionen, da ihr wichtig war dort anzupacken, wo es soziale Brennpunkte gibt. Daher wollte sie unbedingt in Neuen Mittelschulen das Projekt anbieten. Als Kinderfreunde Ortsgruppe war es jedoch nicht immer leicht in Schulen Fuß zu fassen. Einerseits gilt bei vielen Entscheidungsträgerinnen und Entscheidungsträgern eine Kinderfreunde Ortsgruppe als parteipolitisch indoktriniert, andererseits wird einer von ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern geführten Einrichtung nicht immer die nötige Professionalität zugetraut. Dank der ausgezeichneten Vernetzung der Ortgruppenfunktionärinnen und Funktionären mit Grazer Entscheidungsträgern über alle Parteigrenzen hinaus und der Einbeziehung der Landesorganisation der Kinderfreunde Steiermark konnten zumindest für 18 Neue Mittelschulen in Graz diese Bedenken ausgeräumt werden.
Anderen Ortgruppen, die hier ebenfalls aktiv werden möchten, empfiehlt Hanelore jedenfalls ein gutes Konzept auszuarbeiten, dass auch die Kritikerinnen und Kritiker überzeugt. Eine weitere Möglichkeit wäre natürlich dies über andere private Kanäle abseits der Schule zu versuchen. (Vereine, etc.) Ideal wäre natürlich, wenn auch die Workshop Begleitung durch ehrenamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter erfolgen könnte. Oft gäbe es diese Ressourcen in den Ortsgruppen, diese blieben aber oft ungenutzt.

E) Projekt Teilnehmerinnen und Teilnehmer

Wir besuchten eine Aufführung der NMS Fröbelpark. Die Kinder waren mit großer Begeisterung bei der Sache. Bereits vor der Aufführung füllte sich der Saal mit Kindern und Eltern. Die Mitglieder der Theatergruppe waren noch dabei sich gegenseitig zu schminken, die Garderobe zu wechseln oder das Bühnenbild gemeinsam mit der Praktikantin Sarah aufzubauen. Aufgeführt wurde ein Stück zum Thema „Die vier Jahreszeiten“ und die Kinder trugen entsprechende Kleidung. Alle wirkten hoch konzentriert und bei der Sache. In der Folge wurden die vier Jahreszeiten vorgestellt und ein, zwei Sketches und Lieder zu jeder Jahreszeit dargeboten. Die Vorstellung wurde vom zahlreichen Publikum, unter dem auch viele Eltern waren, frenetisch bejubelt und beklatscht. In Interviews im Anschluss an die Vorstellung berichteten die Kinder von den tollen Workshops. Es war ganz offensichtlich, dass sie großen Spaß an der Sache hatten und nun sehr stolz auf das Geleistete waren. Auffallend war auch der gute Zusammenhalt der Gruppe. Egal ob Kopftuch oder nicht, egal ob Bub oder Mädchen, egal ob chinesische, steirische, bosnische oder türkische Wurzeln – die Kids schminkten sich gegenseitig und waren echt ein Team.
Sowohl die Lehrerin Sandra Sundl, als auch Hanelore Binder von den Kinderfreunden Graz Jakomini berichteten von Verbesserungen in der Schule und mehr Selbstbewusstsein bei den Teilnehmerinnen und Teilnehmern.

F) Nachhaltigkeit

Dieses Projekt läuft bereits seit 2012. Hanelore Binder berichtet auch von Folgeprojekten, die aus dem Theaterworkshops entstanden sind. So hat sich beispielsweise in einer NMS eine Lesegruppe aus den Mitwirkenden gegründet, welche nun regelmäßig Märchen vortragen. Durch das viele Lesen und das Vortragen seien bei diesen Schülerinnen und Schülern auch die Deutschnoten besser geworden. Das Integrationsprojekt würde ebenfalls weitergeführt werden, sofern die Finanzierung gesichert werden kann.
H) mögliche Varianten/Abwandlungen
Jede Ortsgruppe kann mit einer Kindergruppe Theateraufführungen machen. Egal ob mit der eigenen Gruppe oder eben mit Schulkindern, bzw. Kindern eines anderen Vereins oder einer Betreuungseinrichtung. Auch während eines Feriencamps kann solch ein Workshop angeboten werden. Dazu braucht es nicht unbedingt ein eigenes Theater, auch wenn dieses hier einen wesentlichen Teil der besonderen Atmosphäre ausmacht. Wichtig ist, dass es nicht darum geht, dass die Kinder Texte auswendig einstudieren und vortragen, sondern dass sie selbst in die Ausarbeitung des Stückes eingebunden sind. Konzepte dazu findest du in Kürze auf www.gruppenstunde.at
Als konkrete weitere Variante hat sich in Graz das „Leseprojekt“ entwickelt, bei dem Kinder ihre Geschichten vortragen.

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