Wer sind wir?

Die Geschichte der Roten Falken

Anton Tesarek, 1925! Diese Daten können langjährige Falken im Schlaf aufsagen. Es sind die Antworten auf die Frage: „Wer gründete wann die Roten Falken?“. Die Geschichte der Roten Falken beginnt jedoch schon 17 Jahre davor, mit der Gründung der Kinderfreunde.

Als Anton Afritsch 1908 die Kinderfreunde gründete, ging es ihm darum, arme Arbeiterkinder aus der grauen Stadt in die Natur zu bringen und mit ihnen zu wandern und zu singen. Die Kinderfreunde wurden damit schnell sehr erfolgreich, weil Arbeiterfamilien in furchtbaren Verhältnissen leben mussten und genau dieses Angebot brauchten. Arbeiterkinder hatten plötzlich die Chance, in ihrer Freizeit gemeinsam etwas zu tun, in die Natur zu gehen und vielleicht sogar im Sommer einmal auf ein Zeltlager zu fahren.

Nach einigen Jahren ergab sich aber ein Problem: Wandern und Singen unter Aufsicht von Erwachsenen ist für Arbeiterkinder schön und gut. Aber was ist mit denjenigen, die keine Kinder mehr sind? Die einige Jahre lang mit den Kinderfreunden unterwegs waren, jetzt aber langsam in einen anderen Lebensabschnitt hineinwachsen? An dieser Stelle tritt Anton Tesarek auf den Plan und gründet eine Jugendorganisation innerhalb der Kinderfreunde: Die Roten Falken. Die Falken (zu Beginn nur Burschen) sollten sich selbst ihre Aktivitäten organisieren, sollten den Gruppenleiter aus ihrer Mitte wählen, sie sollten sich mit Politik und den Ideen des Sozialismus beschäftigen. Ohne Erwachsene, die ihnen etwas vorkauen und ohne Kinder, die sie „mitschleppen“ müssen. Der Name „Rote Falken“ geht im Übrigen auf eine Erzählung von Maxim Gorki zurück. („Das Lied vom Falken“, 1895) Diese Idee war revolutionär und es dauerte nicht lange, bis die Roten Falken zu einer der größten Jugendorganisationen Österreichs heranwuchsen.

Nach wenigen Jahren jedoch wurde das dunkelste Kapitel der österreichischen Geschichte eingeläutet: Die Austrofaschisten rund um Bundeskanzler Engelbert Dollfuss, Vorboten der Nationalsozialisten, wollten die Sozialdemokratie und alles, was dazugehörte, zerstören. Aus diesem Grund wurden 1934 die Kinderfreunde und Roten Falken wie alle anderen Vorfeldorganisationen verboten. Die Roten Falken hinderte das nicht daran, sich im Untergrund weiter zu treffen und auch gegen die Terrorherrschaft der Faschisten und danach der Nationalsozialisten zu kämpfen.

Im Jahr 1945, also nach Ende des Zweiten Weltkriegs wurden die Kinderfreunde und Roten Falken wiedergegründet. Schnell erreichten die Falken wieder ihre alte Größe und traten als starke Jugendorganisation in Österreich auf. Auch die internationale Arbeit florierte in der Zeit nach dem Krieg, so fand auch das erste IFM-Camp der Geschichte 1950 im Falkencamp Döbriach statt. Dieser Flecken Erde in Döbriach am Millstättersee war 1949 zum ersten Mal Schauplatz eines Bundessommerlagers und ist seither eines der identitätsstiftendsten Symbole der Falkenbewegung in Österreich.

In der Zeit nach 1945 musste nach den Erfahrungen im Nationalsozialismus bewusst mit dem autoritären Führungsstil gebrochen werden. Das belastete Wort Führer wurde durch Helfer ersetzt. Weiters wurden Horden-, Gruppen-, Landes- und Bundesfalke als Bezeichnungen für die jeweilige Funktion eingeführt. Wichtig war auch die Suche nach neuen HelferInnen für die Leitung der Gruppen. Als Mindest-Schulungsziel hatten die HelferInnen eine Helferbewährung abzulegen. Und auch äußerlich sollte die neue Zeit sichtbar werden, das alte Falkensymbol wurde durch ein neues ersetzt, Blauhemd, Rottuch und Wimpel blieben erhalten.

Ein wichtiger pädagogischer Ansatz blieb neben den Heimabenden und Wanderungen auch das Leben der Gruppengemeinschaft im Zeltlager. In den Zeltlagern sollte durch Mitsprache, Mitarbeit und Mitverantwortung vor allem das Erleben und Erlernen von Demokratie gefördert werden. Auch diverse Solidaritätsaktionen wurden wieder aufgegriffen und ab den späten 40er Jahren wieder vermehrt durchgeführt.

Nach einer Organisationskrise in den späten 50ern und frühen 60er Jahren gelang es schließlich wieder die Ziele und Ausdrucksformen zu vereinheitlichen. Die Lagerfeuerromantik rückte erneut in den Vordergrund. Waldläufertechniken, Geländespiele etc. erhielten neue Wichtigkeit, die Bundeslager und Pfingststernwanderungen wurden als erstes wieder aktualisiert und diverse Sozialaktionen gestartet. Hinzu kamen die Jahresspiele, die vier Schwerpunktprogramme für jeweils ein Vierteljahr enthielten, wodurch die großen Bundestreffen wieder mit Inhalten gefüllt werden konnten.

In den 70er Jahren rückte das politische Engagement der Falkenarbeit gegenüber Orientierungslauf, Waldläuferromantik und Wintersporttagen wieder in den Vordergrund. Neue Erziehungsstile und -modelle wurden entwickelt und erprobt. Themen wie Umweltschutz, Anti-Atompolitik, aber auch Friedenspolitik und die Befreiungsbewegungen der Dritten Welt wurden bei den Falken bearbeitet.

Mit der Krise der Sozialdemokratie ab Mitte der 80er Jahre wurde auch die Arbeit für die Roten Falken schwieriger und der Schwerpunkt der Arbeit verlagerte sich. Seither wurde das Thema Kinderrechte zu einem zentralen politischen Thema. Auch Koedukation und geschlechtssensible Pädagogik und Themen wie Wählen ab 16 wurden für die Falkenarbeit in der Folge wichtig. Es folgten Kampagnen zur Suchtprävention, zu Kinderarbeit, zu Vorurteilen und Stereotypen und gegen Rassismus.

Im Jahr 2005 wurde die Kindergruppenarbeit der Kinderfreunde und Roten Falken im Rahmen der sogenannten „Steyrer Erklärung“ neu strukturiert, die Roten Falken verstehen sich heute wie damals als älteste Altersgruppe der Kinderfreundearbeit und gehen mit neuen Schwung in diese Ära des Aufbruchs. Die neu geschaffene Struktur der Altersgruppen der Minis (3-5 Jahre) und Freundschaftskinder (6-10 Jahre) sollen nun als Vorstufe für die Arbeit der Roten Falken dienen und dazu beitragen , dass die Kinder- und Jugendgruppenarbeit der Kinderfreunde und Roten Falken wieder zur attraktivsten Freizeitbeschäftigung für Kinder und Jugendliche in ganz Österreich wird.