Kinder haben Rechte in einer Sprechblase

20. November = Tag der Kinderrechte

Straßenaktionen: Kinder verändern die Welt

Die Kinderfreunde setzen sich seit über 100 Jahren für die Rechte von Kindern ein. Bereits Anfang des 20. Jahrhunderts forderten sie, dass die Bedürfnisse des Kindes im Mittelpunkt der Erziehungsarbeit und der Schule stehen müssen. Seither engagieren sie sich unermüdlich für die Verbesserung der Lebensumstände von Kindern. Es versteht sich daher von selbst, dass sie jedes Jahr aufs Neue die Gelegenheit nutzen rund um den Internationalen Tag der Kinderrechte Aktionen zu setzen, die auf Anliegen von Kindern aufmerksam machen.  

Heuer starten sie rechtzeitig zum Internationalen Tag der Kinderrechte eine neue Mehrjahreskampagne mit dem Titel „Verändern wir die Welt“, im Rahmen derer 999 Kleinprojekte zur Weltverbesserung initiiert werden sollen. Als Startschuss zur Kampagne setzen rund 60 Kinder den ersten Schritt: Sie verwandeln den Wiener Schwedenplatz - zumindest kurzfristig - von einer grauen Betonwüste in einen Platz, der auch Kindern etwas zu bieten hat:  

Sie werden sich am Dienstag, 19. November 2013, 10.00 Uhr, am Schwedenplatz/Ecke Hafnersteig (Höhe Franz-Josefs-Kai 17), 1010 Wien, ganz nach ihren Ideen und Wünschen ihren eigenen Spielbereich gestalten und bauen. 

Einen weiteren Schritt werden am selben Tag auch die Roten Falken setzen, die um 18.00 Uhr einen halbstündigen Flashmob auf der Mariahilfer Straße 77 (Höhe Generali Center) planen. Sie werden dann den dortigen Teil der Mariahilfer Straße kindgerecht gestalten sowie einige Ballspielarten wie Fußball oder Federball gleich Vorort ausprobieren. 

Tags darauf, also direkt am Internationalen Tag der Kinderrechte, 20. November, findet in der Donaustadt eine Kinderrechte-Aktion statt, die es dort in dieser Form noch nie gab: 7 Kinderfreunde-Kindergärten entsenden jeweils eine Gruppe von Kindern zum Kindergarten Doningasse 16, 1220 Wien, wo dann alle gemeinsam von 9.00 bis ca. 11.30 Uhr ein großes Kinderrechte-Fest feiern werden. Die teilnehmenden Kinder erwartet ein Kinderrechte-Stationenbetrieb und als Höhepunkt ist für 11.15 Uhr ein gemeinsamer Luftballonstart geplant, bei dem sie vorbereitete Kinderrechte-Wünsche aufsteigen lassen werden.

 

Zur Entwicklungsgeschichte der Kinderrechtskonvention 

Bis in die Neuzeit hinein wurden Kinder Jahrtausende lang zu den Besitztümern der Eltern gezählt, waren ausschließlich von den Wünschen ihrer Eltern abhängig und mussten sich dem Familienoberhaupt bedingungslos unterordnen. Erst mit der Aufklärung hat sich das Bild der Kindheit als eigenständiger Lebensabschnitt, wie wir sie heute sehen, entwickelt.

Die Erklärung der Menschen- und Bürgerrechte der französischen Revolution (Déclaration des droits de l'homme et du citoyen, 1789) besagt in Artikel 1: „Die Menschen werden frei und gleich an Rechten geboren und bleiben es.“ Daraus ergab sich zwar noch keine besondere Überlegung in Bezug auf Kinder, es gab aber in der Folge erste Verbesserungen für sie:

  • 1833 wurde in Großbritannien die Fabrikarbeit für Kinder unter neun Jahren verboten.
  • 1896 setzte das Bürgerliche Gesetz in Deutschland „grobe Misshandlung und unangemessene Züchtigung von Kinder“ unter Strafe.
  • 1899 wurden in den Vereinigten Staaten eigene Gerichte für Jugendliche institutionalisiert. Zuvor waren Kinder vor Gericht wie Erwachsene behandelt worden. Die Kindheit als schützenswerter Lebensabschnitt war geboren!

Mit Beginn des 20. Jahrhunderts und der damit verbundenen Industrialisierung sowie der Einführung der Schulpflicht gewann die Kinderrechtsbewegung zunehmend an Gewicht. Aufgerüttelt durch das massenhafte Elend der Flüchtlingskinder nach dem Ersten Weltkrieg gründete die englische Grundschullehrerin Eglantyne Jebb das britische Komitee „Save the Children”. Überzeugt von der Notwendigkeit für die Interessen des Kindes einzutreten, entwarf sie ein Fünf-Punkte-Programm. Diese Children’s Charter, besser bekannt als Genfer Erklärung, wurde am 24. September 1924 von der Generalversammlung des Völkerbundes verabschiedet. Sie sollte vor allem die Versorgung und den Schutz von Kindern in der Zwischenkriegszeit gewährleisten. Darüber hinaus enthielt sie grundlegende Rechte der Kinder in Bezug auf ihr Wohlergehen. Allerdings besaß sie keinen rechtsverbindlichen Charakter. Mit der Auflösung des Völkerbundes 1946 verlor sie ihre Grundlage.

Anfang der 1920er Jahre beschrieb der polnische Kinderarzt und Pädagoge Janusz Korczak in seiner „Magna Charta Libertatis“ das Recht der Kinder auf eine uneingeschränkte Achtung ihrer Persönlichkeit als Grundlage sämtlicher Kinderrechte. Er war mit seiner Anschauung, dass Kinder den Erwachsenen gleichwertig und mit Respekt zu behandelnde Menschen sind, seiner Zeit weit voraus und forderte umfassende Beteiligungsrechte für Kinder.

Unmittelbar nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Vereinten Nationen zum Nachfolger des Völkerbundes. In der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der UN-Generalversammlung von 1948 wird das Recht der Familie auf Unterstützung (Artikel 25) sowie das Recht auf Bildung (Artikel 26) zugesichert.

Aus der Absicht, die Genfer Erklärung mit wenigen Anpassungen von der UN anerkennen zu lassen, wurde nach mehrjährigen Vorarbeiten am 20. November 1959 die Erklärung der Rechte des Kindes von der Vollversammlung der Vereinten Nationen verabschiedet. Erstmals in der Geschichte der Kinderrechte wurde hier das Kind als eigenständiger Rechtsträger bezeichnet sowie der Begriff des Kindeswohls eingeführt. Trotz allem aber blieb auch die Erklärung der Rechte des Kindes ohne rechtliche Bindung und das, obwohl diese einstimmig verabschiedet wurde.

Erst 30 Jahre später, am 20. November 1989, verabschiedete die UN die internationale Kinderrechtskonvention, die erstmals einen rechtsverbindlichen Charakter hatte und am 20. November 1990 in Kraft trat. Der 20. November ist seitdem der Internationale Tag der Kinderrechte. Das Übereinkommen ist deshalb einmalig, weil es die bisher größte Bandbreite fundamentaler Menschenrechte - ökonomische, soziale, kulturelle, zivile und politische - in einem einzigen Vertragswerk verbindet.

Die Kinderrechtskonvention ist von allen Staaten der Welt – mit Ausnahme der USA und Somalia – ratifiziert worden. Somit gilt sie für knapp zwei Milliarden Kinder und kann durchaus als eines der erfolgreichsten Menschenrechtsdokumente bezeichnet werden. Es existieren allerdings de facto keine juristischen Instanzen, die Sanktionen aussprechen oder die Wahrung der Kinderrechte verbindlich einfordern. Die Einführung eines Individualbeschwerderechtes für Kinder vor dem internationalen Gerichtshof wäre beispielsweise eine Möglichkeit, um Verstöße gegen die UN-KRK effektiver zu ahnden.

Österreich hat die Kinderrechtskonvention am ersten Unterzeichnungstag, 26. Jänner 1990, unterzeichnet. Am 6. August 1992 wurde das Abkommen ratifiziert und trat 30 Tage später formal in Kraft. Seither sind eine Reihe an Gesetzen beschlossen bzw. verändert worden, die der Konvention entsprechen. In Teilbereichen wurde die Konvention allerdings bis heute nicht umgesetzt. So wurden im Jahr 2011 beschlossenen Bundesverfassungsgesetz über die Rechte von Kindern nur acht von insgesamt 43 Paragraphen in die österreichische Verfassung aufgenommen.

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Die Kinderfreunde Wien

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