Schatten einer Frau mit 2 Kindern an einer kahlen Ziegelwand, © istockphoto

2010: Armut aus Kinderperspektive (Teil 2)

AutorInnen: Marion Hackl, Caterina Hannes, Regina Kaltseis, Rafael Kirchtag, Stephanie Klamert, Bence Kovacs, Winfried Moser, Carolina Mueller, Bianca Tone
Fertigstellung: Jänner 2010
AuftraggeberIn: Oberösterreichische Landesregierung

Im vorliegenden Bericht haben wir versucht, uns diesem Thema aus verschiedenen Fachrichtungen zu nähern.

(1) Carolina Mueller hat die internationale wissenschaftliche Literatur aus dem Bereich der Psychologie daraufhin untersucht, welchen Einfluss Armut auf die kognitive Entwicklung von Kindern hat und welche Faktoren dazu führen können, dass trotz benachteiligtem sozioökonomischem Hintergrund positive schulische Leistungen erzielt werden.

(2) Im Sinne einer Orientierung an einem erweiterten Armutskonzept haben Marion Hackl und Stephanie Klamert das Thema Kinderarmut aus pädagogischer Perspektive durch eine Analyse qualitativer Interviews mit Kindern, Eltern und ExpertInnen näher beleuchtet. Die Auswahl der Kinder orientierte sich an dem in der Armutsforschung gängigen Modell der Lebenslage, das hinsichtlich der kindlichen Lebensbedingungen vier Dimensionen unterscheidet, die über ein Aufwachsen in Wohlergehen oder in Benachteiligung entscheiden: (a) materielle Dimension (Grundversorgung des Kindes), (b) soziale Dimension (soziale Kontakte, soziales Verhalten), (c) kulturelle Dimension (Sprache, Bildung, Basiskompetenzen), (d) psychische und physische Dimension (Gesundheitszustand, körperliche Entwicklung).

(3) Caterina Hannes gibt in ihrem Bericht einen statistischen Überblick über die Lebensumstände von Kindern in Österreich. Traditionell werden in Übersichten der amtlichen Statistik Zahlen über Erwachsene oder Haushalte veröffentlicht, der hier vorliegende Bericht geht einen anderen Weg, indem er auch aus statistischer Sicht die Kinderperspektive einnimmt und so einen Ein- und Überblick über die Lebensbedingungen von Kindern unter 19 Jahren in Österreich geben kann. Der angefügte umfangreiche Tabellenteil ist als Nachschlagewerk zu verstehen, das repräsentative Antworten auf Fragen wie „Wie viele Kinder leben in Haushalten mit arbeitslosen oder gesundheitlich stark beeinträchtigten Eltern?“ oder „Wie viele Kinder leben in Substandard-Wohnungen?“ geben kann.

(4) Im abschließenden Artikel beschäftigen sich Rafael Kirchtag und Bence Kovacs mit der Frage, wie ein Armutsmaß gestaltet werden kann, das inhaltlich besser interpretierbar ist als die derzeit in der amtlichen Statistik verwendete Armutsgefährdungsschwelle, mit der ja keinerlei Aussagen darüber getroffen werden, welcher Lebensstandard mit der angegebenen finanziellen Ressourcenausstattung erreicht werden kann. Eine inhaltliche Interpretierbarkeit von Armutsschwellen ist vor allem im Hinblick auf die Anschlussfähigkeit der Armutsforschung an Sozialpolitik und Verwaltung relevant. Ist die monetär definierte Armutsschwelle durch eine bestimmte gesellschaftlich akzeptierte Mindestressourcenausstattung begründet, so kann sie als Orientierungspunkt für Politikgestaltung dienen, auf dessen Grundlage beispielsweise die Höhe einer Mindestsicherung für verschiedene Lebenslagen rational diskutiert werden kann.

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