Foto eines Innenhofs, mittig liegt ein Fußball, © Christoph Witoszynskyj

2010: Integration und Sport

Projektdurchführung: Christoph Witoszynskyj, Winfried Moser

Fertigstellung: Oktober 2010

Auftraggeber: Sportministerium

Executive Summary - die wichtigsten Ergebnisse im Überblick

Integrationsbegriff

Integration ist ein sozialer Prozess, in dem Menschen unterschiedlicher Herkunft zu Mitgliedern einer Gesellschaft werden. Integration ist - im Gegensatz zur Assimilation - ein wechselseitiger Prozess, bei dem Zugewanderte und Mitglieder der Aufnahmegesellschaft eine aktive Rolle einnehmen. Von diesem Integrationsbegriff wird in dem vorliegenden Bericht ausgegangen.

Ausgangssituation: 

Einerseits bestehen für MigrantInnen zahlreiche finanzielle, soziale und kulturelle Hürden, um am organisierten Sport zu partizipieren, andererseits ist die migrantische Mitbestimmung in Vereinen und Verbänden bislang schwach ausgeprägt. Der Zulauf zum organisierten Sport wird aber auch unabhängig von der mangelnden Inklusion von Menschen mit MH gehemmt – einerseits durch eine gesamtgesellschaftlich rückläufige Bereitschaft zur Bindung an Vereine, Organisationen und Parteien, andererseits durch Veränderungen im Sport, die mit den Schlagworten Individualisierung, Diversifizierung, Kommerzialisierung beschrieben werden können – in diesen Prozessen spielt der organisierte Sport bisher eine untergeordnete Rolle.

Bisherige Bemühungen der Integration durch Sport

Bei der bewussten Öffnung für migrantische Zielgruppen lag der Fokus der bisherigen Bemühungen vor allem auf Kindern und Jugendlichen, in geringerem Maße auch auf Frauen, Mädchen und Asylwerbenden. Zwei wichtige Zielgruppen werden bislang vernachlässigt: Eltern mit Migrationshintergrund und MigrantInnenselbstorganisationen (MSOs). Letztere werden eher kritisch bzw als Konkurrenz betrachtet. Es spricht jedoch viel für eine Neubewertung: MSOs können bei Integrationsbemühungen eine Vermittlerfunktion erfüllen, eine Schlüsselrolle als Kooperationspartner einnehmen und den Zugang zu migrantischen Communities erleichtern.

Stärken und Schwächen des organisierten Sports

In dem Bericht werden im Rahmen einer SWOT-Analyse des organisierten Sports zahlreiche Stärken und Schwächen aufgezeigt, aus denen sinnvolle Maßnahmen für Vereine und Verbände abgeleitet werden. Diese können im Detail in der SWOT-Analyse (Seite 38), sowie - geordnet nach Zielgruppen - auch im Anhang (Seite 65) nachgelesen werden. 

Richtlinien für die Förderungen von integrativen Sportprojekten

Die Zusammenfassung der Stärken und Schwächen des organisierten Sports sowie die bisherigen Erfahrungen in integrativen Sportprojekten münden in die Formulierung von sieben Leitlinien, die als fundamental für die Integrationsarbeit gesehen werden können und als Richtlinien für förderungswürdige Maßnahmen dienen sollten:

(1) Bewusstseinsbildung in den Vereinen

(2) Öffentliches Bekenntnis zur Integration

(3) Mitbestimmung und Partizipation stärken

(4) Öffnung

(5) Vernetzung

(6) Nachhaltigkeit

(7) Empowerment

Zudem sollte bei der Förderungsvergabe darauf geachtet werden, dass durch die Förderungen lokale Initiativen gestärkt (Bottom-Up-Prinzip) und Desintegration und Stigmatisierung vermieden werden. Für die technische Abwicklung der Förderungsvergabe wird ein zweistufiges Verfahren angeregt: Erst nach einer Zertifizierung des Vereines durch ein Gremium besteht die Möglichkeit, für konkrete Projekte Förderungen zu lukrieren. Weitere Prinzipien der Vergabe sollten sein: Vermeidung von Quersubventionierung, Projektorientierung und Nachhaltigkeit. Im Bericht werden auch erste Vorschläge für die Administration und die Vernetzungs- bzw Öffentlichkeitsarbeit präsentiert.

Medienberichte mit Bezug auf die Studie Integration und Sport:

Die Presse, 4. Dezember 2010 - Ein Eisläüfer der viele Sprachen Spricht

Die Presse, 4. Dezember 2010 - Spielplatz unter Babylons Turm

Magazin Pusula Dezember 2010 - Wie integrativ ist Fußball?

European Web Site on Integration

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