Bewegung ist der Motor für Entwicklung – vom ersten Greifen bis zum Denken, Sprechen und Lernen. In dieser Online-Elternbildung erhalten Sie spannende Einblicke in die kindliche Bewegungsentwicklung und erfahren, wie eng sie mit Sprache und schulischem Lernen verknüpft ist.
Mit vielen alltagsnahen, lustbetonten Übungsbeispielen zeigt die Logopädin, wie Sie Ihr Kind sinnvoll beschäftigen und spielerisch in seiner Entwicklung begleiten können.
Kostenlose Online-Elternbildung am 22.04.2026 von 17:00-18:00 Uhr
Referentin: Heidemarie Petrasch
Online-Link wird demnächst bekannt gegeben.
Interview mit Frau Heidemarie Petrasch
Bewegung ist der Schlüssel
Heidemarie Petrasch ist seit 45 Jahren Logopädin und gibt ihr Wissen in Elternvorträgen weiter. Beim Online-Abend „Vom Greifen zum Begreifen – wie Kinder wachsen, lernen und sich selbst entdecken“ spricht sie darüber wie eng Bewegungsentwicklung mit schulischem Lernen verknüpft ist.
1. Was bedeutet die Bewegung für die Entwicklung?
Ich habe mich nach meiner Ausbildung zur Logopädin auf die Suche nach einem ganzheitlichen Konzept gemacht. Dabei bin ich auf die neurofunktionelle Reorganisation nach Beatrice Padovan gestoßen, die mich zu den frühkindlichen Reflexen weitergeführt hat. Babys kommen unbewusst in ihrer Wahrnehmung auf die Welt und gerade im ersten Lebensjahr passieren Entwicklungsschritte, die – evolutionär bedingt - reflexartig gesteuert sind. Es erinnert an die ersten Lebewesen, die aus dem Urmeer kamen. Zuerst Kriechen, dann Robben, Krabbeln, Hängen – wie die Primaten – und dann der aufrechte Gang. Genau das macht jede/r neurologisch betrachtet im ersten Lebensjahr durch.
2. Warum ist es so wichtig, dass Babys das durchleben?
Die frühkindlichen Reflexe, wie etwa der Moro-Reflex, bekannt als Schreckreflex, müssen in ein reiferes Bewegungsmuster übergehen. Sonst können Kinder an diesem Reflex hängenbleiben. Man spricht dann von einem persistierenden Reflex und das wirkt sich bis in den Schulbereich aus. Kinder, mit Restreflex sind ängstlich, werden häufig krank, trauen sich beim Turnen nicht mitzumachen. Oft kommt es bei diesen Kindern auch zu Sprechhemmungen. Wir können uns diesen Umweg also nicht ersparen.
3. Das heißt die Entwicklung kognitiver Fähigkeiten ist auch immer stark mit körperlicher Bewegung gekoppelt?
Jeder Mensch braucht ein gut ausgeprägtes Körperschema um sich sicher zu fühlen und orientieren zu können. Erst wenn ich mich selbst von innen bis zu den Fingerspitzen gut wahrnehmen kann, kann ich die Welt zuordnen. Oben - unten, vorne – hinten, links - rechts. Wenn ich keine Regeln oder Ordnung erkennen kann, dann können daraus in der Schule große Probleme resultieren. Kinder mit Dyskalkulie brauchen eigentlich schwerpunktmäßig eine Therapie in der Körperwahrnehmung!
3. Wie kann ich als Elternteil begleiten und unterstützen?
All diese essenziellen Entwicklungsschritte kann ich immer wieder spielerisch im Alltag nachholen. Und gut wäre es noch, Bewegung mit Sprache zu kombinieren. Das heißt mit Reimen und Sprücherln. Dadurch werden so viele Bereiche gefördert, die später in der Schule nötig sind! Die Auge-Hand Koordination etwa ist wichtig für das Schreiben. Das Hochziehen beeinflusst die Handmotorik. Die Feinmotorik wird durch Klatsch- und Fingerspiele gefördert.
Scheibtruhenfahren trainiert die Hals-Nackenmuskulatur; Hoppsaschritt und Scherensprung fördern die Koordination. Vom Boden aufstehen, Schnurspringen und Hüpfen macht ein gutes Körperempfinden und hilft Verhältnisse von Höhe und Tiefe zu unterscheiden – da stecken so viele Elemente drinnen, die bereits mathematisches Basisdenken in sich tragen.
Kinder sollen auch gut kauen. Nicht umsonst sagt man, jemand hat einen Biss. Das Wollen und die Motivierbarkeit brauchen sie später zum Lernen. Gut ist auch Strohhalmtrinken, zuckerfreien Kaugummi kauen, mundmotorische Spiele – Fitnesstraining für den Artikulationsapparat.
Aus langjährigen Erfahrung weiß ich, wie stark die Hörbereitschaft mit dem Anstieg des Handykonsums abgenommen hat und es noch tut. Damit das Kind in der Schule lesen lernen kann und gut rechtschreiben zu lernen ist das Hören und zuordnen von Geräuschen aber unverzichtbar. Ebenso wie grammatikalische Strukturen, die sich etwa durch das wiederholen der immer gleichen Lieblingsgeschichte den Kindern auf natürliche Art erschließen.
4. Was bekommen Eltern von Ihnen an diesem Abend an die Hand?
Die Entwarnung, dass es nie zu spät ist, etwas zu machen! Dazu ist es sinnvoll, dass Eltern wissen, wie die Dinge zusammenhängen. Dann tut man sich auch mit eigenen Ideen viel leichter und lernt diese spielerisch in den Alltag einzubauen. Von mir gibt’s zusätzlich die Tipps, die sich bewährt haben.
Biografie:
Heidemarie Petrasch studierte 9 Semester Psychologie, Philosophie und Pädagogik, danach machte sie eine Ausbildung zur logopädischen Therapeutin am AKH Linz. Seit 1982 arbeitet sie als Logopädin, 4 Jahre im Ambulatorium der Lebenshilfe Salzburg, danach in einem integrativen Kindergarten in Linz. Anschließend war sie 35 Jahre lang im Schuldienst im Bezirk Linz Urfahr. Daneben hat sie stets freiberuflich als Logopädin gearbeitet, seit 2012 mit eigener Praxis am Römerberg. Seit vielen Jahren hält sie Vorträge und arbeitet als Referentin in der LehrerInnenfortbildung.