Tag der Elementarbildung 2022

  • Veröffentlicht am: 24.01.2022

Heute ist Tag der Elementarbildung und unsere Pädagogische Geschäftsführerin Alexandra Fischer hat sich erinnert, was der Kindergarten für ihre eigenen Kinder geleistet hat.

(c) Wiener Kinderfreunde

Als meine beiden Töchter im Kindergartenalter waren, habe ich Vollzeit gearbeitet und nebenbei ein Studium absolviert. Ich hatte und habe einen großartigen Partner und auch Unterstützung von meiner Familie. Aber er und meine Eltern und Schwiegereltern konnten mich auch „nur“ im Rahmen der Möglichkeiten, die ihre eigene Berufstätigkeit erlaubte, unterstützen. Dafür bin ich ihnen bis heute dankbar. 

Den Großteil der Zeit, die ich selbst arbeitete, haben meine Kinder im Kindergarten verbracht.  Sie waren dort nicht nur wunderbar aufgehoben sondern wurden in ihrer Entwicklung optimal unterstützt. Es war eine stärkende Zeit für beide, eine kleine Begebenheit zeigte mir wie sehr. Die Volksschulzeit meiner jüngeren Tochter verlief nicht so glücklich wie die Jahre im Kindergarten. Eines Tages, sie ging gerade in die 2. Klasse, kam ich ins Kinderzimmer und sah meine kleine Tochter schluchzend in ihrer Portfoliomappe vom Kindergarten blätternd. Bestürzt nahm ich sie in den Arm und fragte, was los sei. Da sagte sie: „Weil ich im Kindergarten war, weiß ich, dass ich gut bin.“ So hatten meine Kinder in dieser prägenden Zeit nicht nur die Familie als Anker sondern auch engagierte, herzliche und verantwortungsvolle Pädagoginnen und Assistentinnen (es waren tatsächlich nur Frauen).

Meine Töchter sind heute glückliche und tüchtige junge Frauen. Als Pädagogin weiß ich, wie sehr ihre Kindergartenzeit dazu beigetragen hat, dass sie ihren Weg gefunden haben, ihre Bildungskarriere erfolgreich verläuft und sie Ziele haben, für deren Erreichung sie ihr Potential entfalten.

Als pädagogische Geschäftsführerin des größten privaten Kindergartenträgers in Wien, weiß ich, dass wir seit 20 Jahren um die Anerkennung des Kindergartens als erste Bildungseinrichtung kämpfen. Ich weiß, wie unglaublich sich die pädagogische Qualität im Kindergarten weiterentwickelt hat. Ich weiß, wie stark die Anforderungen an die Pädagog*innen gestiegen sind. Bildungsziele, Elternarbeit, Entwicklungsdokumentation – da müssen wir Corona noch gar nicht dazuzählen. Ich weiß aber auch, dass sich in diesen 20 Jahren die Rahmenbedingungen für die Kolleg*innen nicht entsprechend verändert haben. Was wir zusammen mit anderen großen Trägern seit mehr als zwei Jahren laut verkünden, argumentieren und wissenschaftlich untermauern, führt derzeit in eine Abwärtsspirale: Wir brauchen dringend kleiner Gruppen, mehr Pädagog*innen und mehr unterstützendes Personal, einheitliche Bezahlung für privat und öffentlich angestellte Mitarbeiter*innen und  österreichweit einheitliche Rahmenbedingungen hinsichtlich Urlaub, Entgelt, Öffnungszeiten, Gruppengrößen und Qualitätsanspruch.

Sobald ein deutliches Ja zu diesen Verbesserungen der Rahmenbedingungen ausgesprochen und die Umsetzung konkret angegangen wird, haben wir die Chance, dass ausgebildete Elementarpädagog*innen in ihren Beruf zurückkehren. Und dann können wir die Bildungsqualität im Kindergarten wieder in vollem Umfang gewährleisten und weiterentwickeln. Denn der Kindergarten kann ein bildungspolitischer Tausendsassa sein, wenn man ihn entsprechende Ressourcen zur Verfügung stellt.