Podiumsdiskussion: Kindheit im Dauerkrisenmodus - Orientierung geben in unsicheren Zeiten

Veröffentlicht am: 28.04.2026

Hier gibt es die Veranstaltung zum Nachschauen

Podiumsdiskussion der Kinderfreunde OÖ

Sicherheit, Vertrauen, Begleitung: Was Kinder im Dauerkrisenmodus brauchen

Volles Haus, große Aufmerksamkeit und ein Thema, das viele bewegt: Bei der Podiumsdiskussion „Kindheit im Dauerkrisenmodus: Orientierung geben in unsicheren Zeiten“ der Kinderfreunde Oberösterreich im Wissensturm Linz stand die Frage im Mittelpunkt, wie Kinder in einer Welt voller Krisen, Schlagzeilen und digitaler Reizüberflutung gut begleitet werden können.

Kriege, Klimakrise, Gewalt und eine permanente Informationsflut – Kinder wachsen heute unter Bedingungen auf, die auch viele Erwachsene (über)fordern. Umso klarer wurde im Laufe des Abends: Kinder brauchen Orientierung, Sicherheit und verlässliche Bezugspersonen.

Kinder sehen mehr, als wir glauben

Ein zentrales Thema war die Medienrealität von Kindern. Inhalte aus Social Media, Nachrichten oder digitalen Screens erreichen sie oft ungefiltert und landen direkt im Kinderzimmer oder Klassenzimmer. Pädagog:innen berichteten, dass viele dieser Eindrücke ungefiltert in den Schulalltag mitgebracht werden und dort aufgefangen werden müssen. Gleichzeitig wurde betont: Ein reines Verbieten von Social Media greift zu kurz. Vielmehr braucht es Begleitung, Einordnung und den Aufbau von Medienkompetenz – sowohl bei Kindern als auch bei Erwachsenen.

Plattformen stärker in die Verantwortung nehmen

Ein weiterer wichtiger Diskussionspunkt war die Rolle von Plattformen. Die klare Botschaft:
Kinderschutz darf nicht allein bei Familien und Schulen liegen. Social-Media-Plattformen müssen stärker in die Pflicht genommen werden, insbesondere im Umgang mit Algorithmen, problematischen Inhalten und der Frage, welche Bilder und Botschaften Kindern überhaupt ausgespielt werden.

Zwischen Ehrlichkeit und Schutz

Viele Eltern kennen die Herausforderung: Wie spricht man mit Kindern über Krisen, ohne sie zu verängstigen? Die Diskussion zeigte: Es braucht Ehrlichkeit – aber in kindgerechter Form. Kinder wollen verstehen, was passiert, gleichzeitig brauchen sie Schutz vor Überforderung.

Entscheidend ist dabei die Beziehung: Kinder brauchen Erwachsene, die zuhören, ernst nehmen und Orientierung geben, auch wenn sie nicht auf alles eine Antwort haben.

Was Kinder wirklich brauchen

Neben der Analyse stand auch die Frage im Raum: Was stärkt Kinder konkret im Alltag?

Die Antworten waren klar und praxisnah:

  • Sicherheit, Liebe und Geborgenheit
  • Zeit ohne Bildschirm – echte, analoge Erlebnisse
  • Rituale im Familienalltag
  • eine stabile Vertrauensbasis zu Eltern und Bezugspersonen
  • Erfolge sehen und feiern

Gerade in unsicheren Zeiten sind es oft diese einfachen, aber verlässlichen Strukturen, die Kindern Halt geben.

Schule als wichtiger Anker

Auch die Rolle von Schulen wurde hervorgehoben: Pädagog:innen leisten einen wesentlichen Beitrag, indem sie Kindern Raum geben, über ihre Sorgen zu sprechen, Informationen einzuordnen und gemeinsam Lösungen zu finden. Sie sind oft jene, die Unsicherheiten auffangen und Orientierung bieten, wenn Kinder mit belastenden Themen konfrontiert sind.

Gemeinsam Verantwortung übernehmen

Die zentrale Erkenntnis des Abends: Kinder im „Dauerkrisenmodus“ brauchen keine perfekten Antworten – sondern verlässliche Begleitung. Es liegt an uns allen – Eltern, Pädagog:innen, Gesellschaft und Politik – Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kinder sich sicher entwickeln können. Dazu gehört auch, Kinder ernst zu nehmen und ihre Perspektiven einzubeziehen.

Hier ein paar Foto-Impressionen (Credit: Oliver Schatzberger)

Hier gehts zur Presseaussendung

Das sagen unsere Expert:innen am Podium dazu ....

"Kinder haben ein Recht auf Schutz und eine gesunde Entwicklung, auch im digitalen Raum. Gerade in Zeiten von Krisen und Informationsflut braucht es klare Regeln und Erwachsene, die Orientierung geben. Plattformen dürfen keine Räume sein, in denen Angst, Druck und Manipulation dominieren. Kinderschutz und Kinderrechte müssen endlich auch online konsequent durchgesetzt werden. Kinder brauchen Orte, an denen sie demokratische Werte, Zusammenhalt und Zuversicht erleben." Helmut Gotthartsleitner, Vorsitzender der Kinderfreunde OÖ

 Die Medienkompetenz von Kindern und Jugendlichen muss gestärkt werden, damit sie Inhalte einordnen und Quellen hinterfragen können. Gleichzeitig reicht es nicht, die Verantwortung nur bei den Nutzer:innen zu sehen – auch Plattformen müssen stärker rechtlich in die Pflicht genommen werden, etwa bei Algorithmen. Ein pauschales Social-Media-Verbot ist nicht zielführend: Kinder lernen so nicht, sich sicher online zu bewegen. Stattdessen braucht es Aufklärung und klare Regeln für Plattformen. Antonia Titze, Social Media Managerin & TikTok-Host DER STANDARD

 Kinder brauchen das Gefühl der Sicherheit. Sie wollen mit all ihren Emotionen gesehen und begleitet werden. Blicken wir gemeinsam mit ihnen mutig in die Zukunft. Andrea Wurz, Elternbildnerin und Leiterin vom Innerversum Linz

Wenn es darum geht, Kinder sicher durch diese unsichere Zeit zu begleiten, spielen Lehrkräfte und Schulen eine zentrale Rolle. Sie können ein unterstützendes Umfeld schaffen, in dem Kinder lernen, Informationen kritisch zu hinterfragen und selbstbewusst mit Krisen und schwierigen Themen umzugehen. Durch die Förderung von Resilienz, offener Kommunikation und der Entwicklung von Medienkompetenz vermitteln sie den Kindern, wie sie sich in der digitalen Welt zurechtfinden, ohne sich von Angst oder Desinformation leiten zu lassen. Fatlinda Ibraimi, Teach For Austria Trainerin

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