Linz – 30. April 2026. Kriege, Klimakrise, Gewalt und Fake News prägen den Alltag vieler Kinder zunehmend. Bei der Podiumsdiskussion der Kinderfreunde Oberösterreich im Wissensturm Linz wurde deutlich: Kinder wachsen heute in einer permanenten Informations- und Krisenlage auf, die auch Erwachsene vor große Herausforderungen stellt. Unter dem Titel „Kindheit im Dauerkrisenmodus – Orientierung geben in unsicheren Zeiten“ diskutierten Expert:innen aus Pädagogik, Medien und Praxis darüber, wie Kinder mit belastenden Inhalten umgehen und welche Unterstützung sie im Alltag brauchen.
Im Zentrum der Diskussion stand die Frage, wie Erwachsene Kinder begleiten können, ohne sie mit der Vielzahl an Krisenmeldungen zu überfordern. Einigkeit herrschte darüber, dass Kinder vor allem Sicherheit, Beziehung und verlässliche Bezugspersonen brauchen. Gleichzeitig wurde betont, dass Kinder heute über Social Media, Nachrichten, Gratiszeitungen und digitale Screens häufig ungefiltert mit verstörenden Inhalten konfrontiert werden. Diese Eindrücke gelangen oft direkt in den Familien- oder Schulalltag.
„Kinder brauchen in einer Welt voller Krisen besonders eines: verlässliche Erwachsene, die Orientierung geben und Schutz bieten – offline wie online“, betont Reinhold Medicus-Michetschläger, Geschäftsführer der Kinderfreunde Oberösterreich. „Kinderschutz endet nicht am Bildschirm. Wir müssen dafür sorgen, dass Kinder auch im digitalen Raum sicher aufwachsen können und nicht mit Angst, Druck oder Desinformation allein gelassen werden.“
Nicht alles verbieten – sondern begleiten
Ein zentrales Fazit der Diskussion: Ein reines Verbot digitaler Medien oder Social Media sei nicht zielführend. Vielmehr brauche es aktive Begleitung, Medienkompetenz und klare Orientierung durch Erwachsene. Auch die Verantwortung von Plattformen wurde thematisiert. Social-Media-Anbieter müssten stärker in die Pflicht genommen werden, insbesondere im Umgang mit Algorithmen und problematischen Inhalten.
Kinder brauchen Sicherheit, Beziehung und Rituale
Neben der digitalen Welt wurde auch der familiäre Alltag in den Blick genommen. Kinder benötigen laut den Expert:innen vor allem:
- Sicherheit, Liebe und Geborgenheit
- analoge, bildschirmfreie Zeit
- stabile Rituale im Familienalltag
- eine vertrauensvolle Beziehung zu Erwachsenen
- Raum, um Erlebnisse und Gefühle zu verarbeiten
Diese Faktoren seien entscheidend, um Kindern Halt in unsicheren Zeiten zu geben.
Schule als wichtiger Schutz- und Orientierungsraum
Auch Bildungseinrichtungen spielen eine zentrale Rolle. Pädagog:innen sind häufig erste Ansprechpersonen für Sorgen und Unsicherheiten, die Kinder aus der medialen Welt mitbringen. Schulen können laut Diskussion ein wichtiger Ort sein, um kritisches Denken, Resilienz und Medienkompetenz zu fördern.
Gemeinsame Verantwortung
Die Podiumsdiskussion machte deutlich: Die Herausforderungen im Umgang mit Krisen, Medien und Kindern sind gesamtgesellschaftlich. Eltern, Pädagog:innen, Politik und Plattformen tragen gemeinsam Verantwortung dafür, Rahmenbedingungen zu schaffen, in denen Kinder sicher aufwachsen können.
Hier kann die Veranstaltung nachgeschaut werden:
Am Gruppenbild (v.l.n.r.):
Romana Philipp, (Moderation Kinderfreunde OÖ); Reinhold Medicus-Michetschläger (Geschäftsführer der Kinderfreunde OÖ), Antonia Titze (Social Media Managerin & TikTok-Host DER STANDARD), Fatlinda Ibraimi (Teach For Austria), Andrea Wurz (Elternbildnerin und Leitung Innerversum Linz) und Eva Hübler-Hegazy (Moderation Kinderfreunde OÖ).
Fotocredit: Kinderfreunde OÖ / Oliver Schatzberger
PDF-Download
Presseanfragen
Romana Philipp
Mobil: 0699/ 16 88 60 44
romana.philipp@kinderfreunde-ooe.at